Pressemitteilung vom 4. Juni 2007 aus dem Loro Parque, Teneriffa
Sensationelle
europäische Erstzucht des Lear-Aras in der Loro Parque Fundacion auf Teneriffa
Am
Montag, den 14. Mai war es endlich soweit. Langes Bangen und Warten hatte ein
Ende. Unter den wärmespendenden Federn seiner Adoptiveltern, einem in der
Jungtieraufzucht erfahrenen Paar Dunkelrote Aras (Ara chloroptera)
schlüpfte erstmals in Europa ein junger Lear-Ara (Anodorhynchus leari).
Der nur 20 g schwere Jungvogel wurde sofort, wie ein eigenes Jungtier, von den
Ersatzeltern angenommen und wird seither bestens versorgt und gedeiht prächtig.
Nun im Alter von drei Wochen wird es Zeit ihn auch der Öffentlichkeit
vorzustellen, was leider derzeit nur in Form von Fotos möglich ist, da das
Aufzuchtgeschäft der pflichtbewusten Ersatzeltern nicht gestört werden darf.
Inzwischen ist der Kleine Lear-Ara mit Namen „Edward“ schon 495 g schwer und
hat damit sein Schlupfgewicht innerhalb von drei Wochen vervierunzwanzigfacht.
Beim
nur wenige Minuten dauernden Fototermin, nach drei Wochen, wurde der wertvolle
Jungvogel auch gleich mit einem geschlossenen Fußring beringt, um ihn für die
Zukunft unveränderlich zu kennzeichnen. Danach kam der kleine Edward gleich
wieder zurück in die schützende Nisthöhle, wo die Pflegeeltern schon ungeduldig
warteten. Bis der kleine Lear-Ara flügge werden und seine schützende Nisthöhle
verlassen wird, werden noch weitere sieben bis acht Wochen vergehen. Bis dahin
bleibt der sensationelle Nachwuchs nur den kontrollierenden Blicken des
Pflegepersonals vorbehalten.
Die
Loro Parque Fundacion bekam im November 2006 von der brasilianischen
Naturschutzbehörde IBAMA im Rahmen des internationalen Zuchtprogramms für den
Lear-Ara zwei Paare dieser seltenen Papageienart zu Zuchtzwecken zur Verfügung
gestellt. Nur 43 Tiere, meist von den Behörden aus dem illegalen Handel
beschlagnahmt, sind im offiziellen
Zuchtbuch für diese in der Natur vom Aussterben bedrohte Tierart verzeichnet
und damit in Menschenobhut vorhanden. Die meisten davon leben in zoologischen
Einrichtungen in Brasilien. Nachdem in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts
in den USA die erste Zucht gelang, wurde im letzten Jahr bei Scheich Al Tani im
Wüstenstaat Katar die zweite Zucht eines Jungvogels bekannt.
Die
Loro Parque Fundacion, die weltweit mit 350 verschiedenen Papageienarten und
-unterarten die artenreichste Papageienkollektion besitzt und die intensive
Bemühungen zum Erhalt bedrohter Papageienarten betreibt, hat durch ihre
zahlreichen Zuchterfolge unter anderem beim in der Natur bereits ausgestorbenen
Spix-Ara (Cyanopsitta spixii), das Vertrauen der brasilianischen
Naturschutzbehörde erworben und war deshalb auch ausgewählt worden, um beim
Aufbau einer genetischen Reserve des Lear-Aras in Menschenobhut mitzuhelfen.
Damit wurden erstmals legal aus Brasilien Lear-Aras aus dem Zoo Sao Paulo in eine Institution
außerhalb Brasiliens gegeben. Dass sich dann der Erfolg im Zuchtzentrum auf
Teneriffa so schnell eingestellt hatte, ist sicherlich unter anderem den
günstigen Umweltbedingungen zu verdanken. Neben den optimalen klimatischen
Bedingungen wurden den Lear-Aras in ihre Flugvolieren künstliche Felsenkliffs
mit Höhlen gebaut, wie sie von den Tieren auch in der Natur als Nistplätze
genutzt werden. Diese wurden von den Papageien sofort angenommen und dienten
auch als Nestplatz. Da das erste gelegte Ei leider kaputt im Nest gefunden
wurde, wurde das zweite Ei sofort nach dem Legen entfernt. Auch dieses wies ein
kleines Loch in der Kalkschale auf, welches aber mit Klebstoff repariert werden
konnte, so dass einer normalen Entwicklung nichts im Wege stand. Als erfahrene
Ersatzeltern wurde ein Dunkelrotes Arapaar ausgewählt, weil es sich auch schon
in der Aufzucht der ebenfalls blauen Hyazintharas (Anodorhynchus
hyacinthinus) als Adoptiveltern bestens bewährt hatte.
Die
Loro Parque Fundacion ist weltweit die Organisation, die sich am intensivsten
für den Erhalt bedrohter Papageien in ihren natürlichen Lebensräumen einsetzt.
So wurden in den letzten Jahren weit über sechs Millionen Dollar in über 20
Papageien-Schutzprojekte investiert. Unter anderem auch in das Projekt zur
Erhaltung des Lear-Aras in seinem ursprünglichen Habitat, der brasilianischen
Caatinga. Inzwischen konnte sich der Freilandbestand, der erst im Jahr 1978
überhaupt entdeckt worden war, von unter hundert Tieren auf über 650 Tiere
wieder erholen. Dies sind sehr erfreuliche Zeichen im weltweiten Kampf gegen
den vollständigen Verlust von Tierarten auf unserem Planeten.
Der
sensationelle Schlupf des ersten kleinen Lear-Aras in der Loro Parque Fundacion
auf Teneriffa, gibt Anlass auf Hoffnung auf weitere Nachzuchten und die Aussicht, dass diese Papageienart
langfristig gerettet werden kann.