Wie unter Spix berichtet, besuchte Martius und Spix 1817-20 Brasilien im Auftrag des Königs von Bayern. Sie reisten mehr oder wenige von Ende 1817 bis Ende 1819 zusammen. Dezember 1819 einigten sie sich in Ega (heute Tefé) in der Nähe der Einmündung der Yapura-Fluß darauf, daß Spix den oberen Solimões bis zur Grenze nach Peru befahren sollte und Martius den Yapura aufwärts bis zu den Wasserfällen von Arara-Coara an der Grenze zum Vizekönigreich Neu-Granada. Spix traf Anfang Februar 1820 in Ega (heute Tefé) wieder ein und da Martius noch nicht von seiner Yapura-Fahrt zurückgekehrt war, nutzte er die Zeit den Rio Negro bis Ende des Monats zu befahren, dann ist er zur Barra de Rio Negro (heute Manaus) weiter gereist. Am 11. März 1820 traf Martius in Barra de Rio Negro endlich ein.
Inzwischen waren die beiden Reisenden längst überfällig. Nach dem letzten Bericht hätten sie bereits im Dezember 1819 wieder in Belém ankommen sollen. Es gab große Sorge in München. Am 16. April 1820 trafen sie nach vier Wochen am Amazonas schließlich in Belém ein. Spix war sehr krank. Nach Aufladung der Sammlungen sowie lebende Tiere an Bord der " Nova Amazonia " segelten sie direkt nach Lissabon, wo sie 23. August 1820 ankamen. Sie reisten dann über Spanien und Frankreich nach München, das sie am 10. Dezember 1820 erreichten.
Im Reisebericht erläutern Spix und Martius ausführlich ihren Reiseplan. Zunächst werden ihre Vorgänger als Forschungsreisende und deren Ziele angeführt: John Mawe, Wilhelm Ludwig von Eschwege, Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied, mit Georg Ludwig-Freireiß und Friedrich Sellow, schließlich Auguste de St.Hilaire und Georg Heinrich Freiherr von Langsdorff. Im Hinblick auf diese Männer als unsere Vorgänger und Vorarbeiter, und alle schriftlichen und mündlichen Erkundigungen gemäß schien es uns am zweckmäßigsten, vorerst eine Landreise nach der südlich gelegene Capitanie von S. Paulo zu unternehmen, wobei wir uns hauptsächlich an das Klima heisser Länder allmällig zu gewöhnen, und zugleich die entgegengesetzte südliche gemäßigste Zone kennen zu lernen wünschten. Von der Capitanie von S.Paulo aus gedachten wir durch das Innere von Minas Gerais bis an den Rio de S. Francisco und nach Goyaz zu reisen, endlich von hier entweder auf dem Flusse Tocatins nach Pará hinabzufahren oder aus dem Innern nach Bahia und an die Küste zurückzukehren, dort unsere Sammlungen nach Europa einzuschiffen und dann nochmals in das Innere der Capitanien von Piauhy und Maranhâo einzudringen, um so endlich nach Pará, dem Ziel unserer Wünsche, zu gelangen.
Allen Warnungen und Zweifeln ihrer brasilianischen Freunde zu Trotz, machten sich Spix und Martius mit beispielloser Energie daran, diesen Reiseplan zu verwirklichen. Sie bekamen Pässe und Empfehlungsschrei für die Capitanien S. Paulo, Minas Gerais, Goias und Bahia von der portugiesich-brasilianischen Regierung erteilt. Mit einem Mualtierführer, einem Treiber und einem " neueingekauften Negersclaven " sowie sechs Last- und zwei Reittieren brachen Spix und Martius am 9. Dezember 1817 schließlich in das Innere Brasiliens auf. Das erste Teil der Reise zur Einklimatisierung dauerte bis März 1818. Ende März fing das zweite Teil an, als sie Villa Rica verließen, um die Capitanien von Minas Gerais und Bahia nach Salvador durchzuqueren.
Im vierten Kapitel des 1828 erschienen Bandes beschrieb Martius die Reise durch den Sertâo nach Porto de Salgado (heute Januaria) am Rio S. Francisco. Am Seite 528 schrieb er: Wir übernachteten am 12. August (1818)in der Fazenda Tamanduá, drei Legoas(ca. 15 km) nordwestlich von Contendas. Auf den Wege dahin begrüßten wir nochmals die herrliche Waldung der Buriti-Palme, welche sich fast eine Legoa lang in den niedrigen Wiesen hinziehet. Zahlreiche stahlblaue Araras (die Ararauna, Ara hyacinthinus), die Bewohner der erhabenen Wipfel, umkreisten uns paarweise im Fluge und liessen uns ihr krächzendes Geschrei durch die friedliche Gegend erschallen. Am 16. August trennte Martius sich von Spix einige Tage lang und reiste durch die caatinga-Landschaft in der Nähe des Rio S. Francisco. Er schrieb im ersten Kapitel des sechsten Buches ( S. 564, Band II):Die höhe liegenden trockneren Gegenden waren mit dichten, zum Theile blattlose Gesträuche, die Niederungen mit einem feinen blumenreichen Grasteppiche bekleidet, aus dem sich zerstreute Gruppen von Palmen und saftigen Gebüsche erheben. Die Sertanejos nennen solcher bebuschte Wiesen Varredas. Wir fanden hier (Serra de Salgado) eine dornige Fächerpalme (Mauritia armata, M.) als Hauptschmuck der Gründe, neben der hier seltneren edlen Weinpalme (Mauritia vinifera, M.). Sie bietet weder einen zuckerhaltigen Saft, noch essbare Früchte, wie jene Art, ist aber sehr geeignet für die Construction des Dachgebälkes in den Hütten der Einwohner, die sich mit den Namen des wilden Burití (B.bravo) bezeichnen. Außerdem erschienen hier und da dichte Haufen der Indajá-Palme (Attalea compta, Mart. Palm t.41.97.). Sie bildeten die ersten Palmenwälder in deren Schatten wir, trocken Fusses und sicher vor Riesenschlangen und Kaimans, umherzuschweifen wagten. Die grossen, an einem sehr reinen fetten Oele reichen Kerne dieser Palme machen sie zum Lieblingsbaume der grossen blauen Araras (Ara hzacinthinus Lath.), welche paarweise häufig über uns einherflogen. So schön der Federschmuck diese Vogels ist, so sehr beleidigt sein heisseres, durchdringendes Geschrei auch die unempfindlichsten Ohren, und gewiss hätte er, wenn er dem Alterthume bekannt gewesen wäre, als ein unheilbringendes Vogel von der übelsten Vorbedeutung gegolten. Für uns aber hatte die kleine Menagerie dieser zanksüchtigen Vögel, welche wir, auf dem Dach einiger Maultierladungen angekettet, mit uns führten, einem besonderen Nutzen, in dem sie durch ihren andauernden, weithin hörbaren Lärmen, uns den Ort der Karavane bezeichneten, von der wir bei den Streifzügen zur Untersuchung der Gegend oft ziemlich weit abkamen.
Am 5. November 1818 erreichten die beiden Gelehrten Salvador nach einer äußerst strapazierenden Reise. Sie blieben dort bis Mitte Februar 1819, um sich zu erholen.Dann reisten sie durch den Sertão bis São Luiz. Der Weg führte unter größten Entbehrungen und entsetzlichen Wassermangel durch oft menschenleere Gebiete. Im Mai machten sie einen Abstecher nach südosten, dann brachen sie nach Joazeiro auf. Dann reisten sie nach Cidade de Oeiras neben dem Rio Canindé. An der Seite 781 seines Berichtes schrieb Martius:Die Catingas waren grossentheils in leichtes Buschwerk umgebildet, und in den stark bewässerten Niederungen traten die Carnaüva-Palmen zu stattlichen Wäldern zusammen, deren Anblick eben so eigenthümlich, als reizend ist. Blaue Araras (Psittacus hyacinthinus, Lath), die in den dichten Wipfeln dieser Palmen hausen, zogen krächzend an uns vorüber und der grosse Anú (Crotophagus major. Lath) liess nicht selten am Ufer des Canindé, den wir jetzt zum letzten Male übersetzen, um ihn von nun an stets auf der rechten Seiten zu behalten, sein stottendes Geschrei ertönen.(Red: Diese Aras könnten m.E Lear-Aras gewesen sein da dieser Standort etwas nördlich des heutigen Verbreitungsgebiet liegt. Vor 50 Jahren waren Lear-Aras angeblich noch nördlich des R. Francisco zu finden. Wir werden aber nie wissen, da der Lear-Ara erst ca. 40 Jahre nach der Expedition von dem Prinzen Bonaparte beschrieben worden ist. Die Palmenart ist wahrscheinlich Copernicia prunifera, die laut Arvores brasileira " carnaúba " heißt. Sie hat einen kleinen nuß - 350 wiegen 1 kilo).
Von Martius lebte bis 1868 und war sehr hoch angesehen. Abgesehen von dem Reisebericht.ist er vor allem für das berühmte Werk ",das sein Abschluß im Jahre 1850 fand. Das in einzelnen Lieferungen erschiene Werk im Imperialfolio umfaßt drei Bände von insgesamt 550 Seiten mit 135 teils in Lithographie, teils als Stiche aufgeführten Tafeln. Zahlreiche der Abbildungen gehen auf Handskizzen von Martius zurück. Alexander von Humboldt würdigt das Werk mit folgenden Wörten: Solange man Palmen nennt und Palmen kennt, wird auch der Name Martius mit Ruhm genannt werden.
Da die blauen Aras sich auf Palmnüsse spezialisieren und Martius scheint der erste, der diese Tatsache beobachtet und kommentiert hatte, hatte er einiges auch zur Studie dieser herrlichen Art beigetragen.
Der Atlas zum drei-bändigen Werk Reise in Brasilien enthält eine Abbildung der Tierformen des tropischen Amerika u.A eines Aras, der als Psittacus araraúna beschrieben wird, aber ist eindeutig ein blauer Ara.
Andere historische Dokumente
Artikelverzeichnis
Blue Macaws Titelseite