Zuchtbuchbericht 1989-92 für das EEP Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus) von Dr. Hubert Lücker (Koordinator), Zoo Dresden



Zuchtbuch für das EEP Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus) 1989-92

Inhaltsverzeichnis

I) Freilandstatus
II) Status im EEP
Haltungsrichtlinien fur Hyazintharas im EEP
III) Populationsanalyse
IV) Probleme

Das EEP fur den Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus) wurde 1989 eingerichtet, nachdem eine grobe Bestandsschätzung ergab, daß relativ wenig Vögel in kontinental-europaischen Zoos und Vogelparks vorhanden waren, die zudem bis auf Ausnahmen nicht züchteten (IZY 1980-1988).

I) Freilandstatus

Der Hyazinth-Ara gehört zu den hochbedrohten Papageien. Früher in weiten Teilen Brasiliens beheimatet beschränkt sich sein Verbreitungsgebiet heute im wesentlichen auf den Pantanal. Geringe Vorkommen, eventuell nur Saisonvogel, gibt es im äußersten Nordosten Paraguays. Ein gleichfalls geringes Vorkommen existiert im östlichsten Zipfel Boliviens. Beide haben Anschluß an die Pantanal-Population. Der Hyazinthara bewohnt Sümpfe mit Buriti-Palmen (Mauritia flexuosa), Galerie- und laubabwerfende Wälder. Über die neueren Bestandszahlen gibt es widersprüchliche Angaben. Während Low (1990), Patzwahl (1989) und Roth (1988,1989) von ca.1.000 Tieren ausgehen, scheinen neuere intensive Zählungen die Schätzungen nach oben zu korrigieren: Nach Reynolds (1993) leben ca. 3.000 - 4.000 Vögel im Pantanal.

Hauptursache der Bedrohung ist neben der Zerstörung der Biotope der illegale Fang für den Heimtiermarkt Bei den teilweise astronomischen Schwarzmarktpreisen, dem leichten illegalen Grenzübertriit zwischen Brasilien und Bolivien/Paraguay sowie der angespannten sozialen Situation in Brasilien ist es kein Wunder, wenn illegale Fanger einen hohen Anreiz haben und immer wieder versucht wird diese attraktiven Vögel illegal nach Nordamerika und Europa zu bringen. Durch schärfere Überwachung der Eingangszollstellen scheint es jedoch langsam zu gelingen die Geschäfte der Papageienmafia deutlich zu stören. Andererseits führt der Zusammenbruch des früheren Ostblocks dazu, daß neue Schmuggelpfade über GUS-Staaten nach Europa aufgebaut werden. Ein hoch effektiver Schutz vor Ort sowie ein drastisches Vorgehen gegen die illegalen Händler bedrohter Papageien muß im Sinne der Tiere gefordert werden.

II) Status im EEP

1989 wurden in 36 Haltungen 123 (41.35.47) Vögel gezählt. Davon waren nur 6 F1-Tiere (= 5%). Alle anderen Vögel waren Wildfänge. Durch neue Teilnehmer, Vereinigung mit dem JMSG (Großbritannien), Beschlagnahmungen illegaler Tere und Züchterfolge stieg die Zahl auf 296 (122.116.58) am 31.12.1992 in 80 Haltungen. Die Anzahl an Nachzuchtvögeln (alles F1} stieg auf 57 (=19.3%). Insgesamt sind mit Stand vom 31.12.92 50 reproduzierende Tere im EEP. Hinzu kommen weitere 34 (17 Paare) Vögel, die bereits Eier legen, teilweise auch befruchtet, wo aber noch keine Küken schlüpften. Damit ist die Gesamtsituation im EEP derzeit zufriedenstellend, wird aber weiter verbessert werden müssen.

22 Privathalter sind im EEP. Viele mehr, von denen auch einige züchten, sind jedoch nicht bereit ins EEP einzutreten, da sie kommerzielle über artenschützerische Belange stellen. Dies ist zwar eine bedauerliche Haltung, tangiert das EEP bei dem gutem Vogelbestand aber nur wenig. Dennoch muß weiter versucht werden möglichst viele Privathalter zur Mitarbeit zu bewegen.

Nach der Gründung des EEPs folgte wenig später auch die des JMSG in Großbritannien. Da es nicht sinnvoll erschien die beiden Zuchtprogramme in Europa nebeneinander laufen zu lassen, erfolgte 1992 der Zusammenschluß von EEP und JMSG.

Die Haltungsrichtlinien wurden erarbeitet und 1992 leicht modifiziert:

- Haltungsrichtlinien fur Hyazintharas (Anodorhynchus hyacinthinus) im EEP -

1. Alle Vögel im EEP müssen geschlechtsbestimmt und individuell markiert werden. Es wird empfohlen im Falle des Tätowierens die Zuchtbuchnummer in die Spannhaut des Flügels zu tätowieren: Hennen rechts, Hähne links. Zur leichteren Identifizierung sollte jeder Vogel einen zusätzlichen Punkt in der Schnabelhaut erhalten, gleichfalls Hennen rechts, Hähne links. Identifzierung durch Microchips ist möglich und sinnvoll.
(Achtung: Es gibt bei Chips die Erfahrung, daß diese bei Implantation in den Brustmuskel von den Vögeln selbst entfernt werden und bei Implantation in den Nacken die Chips wieder herausfallen, können oder eventuell vom Partnervogel (?) entfernt werden. Bei der Implantation in den Nacken machte ich im Zoo Dresden die Erfahrung, daß von 10 so markierten Kuba-Amazonen (Amazona leucocephala) immerhin 6 Vögel nach 5 Wochen den Chip nicht mehr trugen!).

2. Halter von Einzel- oder gleichgeschlechtlichen Vogeln sollen umgehend mit anderen Haltem kooperieren zur Paarfindung.

3. Nicht zu verpaarende Einzelvögel sollten, falls möglich, mit anderen in Gruppen gehalten werden. Einzelhaltung kann ausnahmsweise nur dann vorgenommen werden, wenn ein Vogel sich als absolut unerträglich oder völlig fehlgeprägt erwiesen hat.

4. Reine Schauhaltung ist nicht das Ziel des EEPs und alle Teilnehmer akzeptieren dies.

5. Paarbildung sollte wie folgt durchgeführt werden:

a) Versuch Hahn und Henne zusammen zu bringen. Wenn dies nicht geht b) b) Paarfindung in einer Gruppe. Die Gruppe, wenigstens 6-8 Vögel. sollte in einer Großvoliere zusammengebracht werden. Solche Volieren befinden sich in: Tierpark Dortmund, Zoo Dresden Zoo Mulhouse, Loro Parque.
Vor dem Verbringen in solche Volieren sind die Vögel auf Salmonellose und Chlamydien zu untersuchen. (s.auch Punkt IVa!).

6. Richtlinien fur die Volieren:

a) Volieren fur die Gruppenhaltung. Sie sollten mindestens 15-20 qm Grundfläche bei mindestens 3 m Höhe haben. Eine heizbare Innenvoliere ist dort notwendig, wo das lokale Klima dies erfordert. Kleine Volieren sollten vorhanden sein, um gebildete Paare zu separieren.
b) Zuchtvolieren: Es wird dringend angeraten Zuchtvolieren dem Publikum in Zoos und Vogelparks nicht zugänglich zu machen. Wenn dies absolut nicht möglich ist, sollten sie dort gebaut werden, wo eine minimale Störung vorhanden ist. Kleinere Volieren mit heizbarer Innenvoliere wo nötig sind ausreichend. Es wird vorgeschlagen den Vögeln die Wahl zwischen verschiedenen Nestmöglichkeiten zu lassen. Jedoch sollte eine Nistgelegenheit so hoch wie möglich angebracht werden. Eingänge zu Nestem sollten mit Weichholz verschlossen werden, so daß die Vögel sich durchnagen müssen. Dies ist ein gutes Stimulanz.

7. Volieren sollten entweder einen kleinen Tümpel zum Baden oder eine Beregnungsanlage aufweisen.

8. Futter: Hyazintharas sind höchstwahrscheinlich spezialisierte Sammler von ölhaltigen Palmnüssen. Das Futter muß daher einen hohen Anteil an ölhaltigen Sämereien enthalten (Kokosnußstücke, Erd-, Para-,Wal-, Haselnüsse). Früchte, Gemüse, Grünfutter und Weichholz werden angeboten. Es wird empfohlen die Vögel mit Trockenfleisch/Hundefutter o.ä. mit ca.10g / Vogel/Tag zu füttern. Gekochtes Fleisch oder Knorpel können gleichfalls angeboten werden. Die Vitaminversorgung ist durch geeignete Präparate sicherzustellen. Keimgetreide sollte angeboten werden.

9. Brut: Während der Brutzeit sollte der Nestbaum von außen leicht angesprüht werden. (Zu diesem Punkt herrscht keine Einigkeit Er wird in nächster Zeit sowohl im Freiland als auch in Zoos/Vogelparks untersucht und gegebenenfalls verifiziert werden müssen).

10. Kunstbrut, Handaufzucht
Hyazintharas haben 1-3 Eier/Gelege und scheinen eventuell nur ein Küken aufzuziehen. Bei sicheren Paaren konnte ein Ei weggenommen und das Küken wie unten geschrieben aufgezogen werden.
Jedes Paar sollte mindestens zwei Versuche zur eigenen Aufzucht haben. Wenn es nicht klappt sollten die Eier weggenommen werden.

a) Falls möglich, die Eier einem Ammenpaar unterlegen.
b) Wenn dies nicht möglich ist muß Kunstbrut und Handaufzucht versucht werden. Es wird empfohlen, junge Hyazintharas so schnell wie möglich mit anderen Aras/Hyazintharas zusammen zu bringen, um die Fehlprägung zu minimieren.

11. Bei der Naturaufzucht sollte versucht werden die Jungen so lange wie möglich bei den Eltern zu lassen. Es könnte sein, daß 3 Hyazintharas nur jedes 2. Jahr brüten.

12. Alle Nachzuchten bleiben im EEP. Sie sollten zum jetzigen Zeitpunkt weder an Nichtteilnehmer verkauft noch getauscht werden.

13. Transfers von Tieren erfolgen in Abstimmung mit dem Coordinator oder einem Mitglied der Artenkomission. Beim Zusammenstellung neuer Paare ist so zu verfahren, daß Inzucht minimiert, besser ausgeschlossen wird.

14. Nach dem Tod eines Vogels muß eine Sektion gemacht werden. Der Coordinator erhält eine Kopie des Sektionsbefundes.

15. Jeder Teilnehmer soll versuchen andere ihm bekannte Halter zur Teilnahme am EEP zu bewegen. Neue Teilnehmer sollten die Möglichkeiten besitzen oder schaffen können, um die Hyazintharas gemäß diesen Richtlinien zu halten.

16. Jeder Teilnehmer wird gebeten Beobachtungen an den Coordinator oder ein Mitglied der Artenkommission zu senden, damit unser limitiertes Wissen wächst.BR>

17. Zoos und Vogelparks müssen das Füttem ihrer Vögel durch Besucher verhindern.

18. Jeder Teilnehmer sollte mit der Weitergabe an Informationen über seine Vögel an eine breite Öffentlichkeit, Presse etc. sehr vorsichtig sein, um nicht Diebe aufmerksam zu machen.
Dies betrifft nicht wissenschaftliche Veröffentlichungen. Jedoch sollt auch hier sehr sorgfältig die Preisgabe des Standorts eines Zuchtpaares oder einer Zuchtstation bedacht werden.

19. Alle Eigentumsrecht an den Vögeln verbleiben beim jeweiligen Halter/Zoo/Vogelpark.

III) Populationsanalyse

Abbildung 1 zeigt die Altersverteilung der Vogel im EEP am 31.12.1992. Die Angaben sind für die 57 F1-Vögel richtig, fur die restliche Population Schätzungen. Die meisten Wildfänge kamen als Adulte in die jeweilig erste bekannte Haltung. Nur von wenigen Vögeln ist bekannt, daß sie als Juvenile importiert wurden. Fur die Errechnung der Altersverteilung wurden daher bei den Wildfängen, die nicht eindeutig als Juvenile angesprochen werden konnten, 2 Jahre zugegeben und als Minimalalter angenommen. Viele adulte Vogel dürften deutlich älter sein (Lücker 1990 a,b) Dies ergibt ein Problem bei der Zusammenstellung von Paaren. Etliche "Paare" sind seit vielen Jahren zusammen, ohne daß es zu einer Eiablage gekommen wäre. Hier ist eine altersbedingte Unmöglichkeit der Zucht nicht auszuschließen.

Durch den hohen Anteil an Wildfängen existiert andererseits die Möglichkeit einer guten Ausgangsbasis für die Erhaltungszucht in genetischer Sicht. Die seit 1989 durchgeführten Verpaarungen zeigen gute Ergebnisse: 52 Gründertiere, alles Wildfänge, sind bereits vorhanden. Zusätzlich legen 34 weitere Vögel. Mit einer Aufzucht ist in Kürze zu rechnen. Die Situation ist damit aus genetischer Sicht recht zufriedenstellend. Man kann in Zukunft von mindestens 120 Gründervögeln ausgehen. Hinzu kommt daß im SSP gleichfalls eine gute Gründerpopulation vorhanden, damit die Gesamtsituation des Hyazintharabestands in Volieren vielversprechend ist.

IV) Probleme

Drei Hauptprobleme kennzeichnen die Situation im Zuchtbuch:

a} Pacheco-Virus Erkrankung und andere Krankheiten als potentielle Gefahr

b) ungenügende Kenntnis über die Biologie der Art

c) ungenügende Kenntnis über das notwendige Futter der Art

a) Pacheco-Virus Erkrankung

Diese Herpes-Viruserkrankung wird schwer erkannt. Der Zoo Zürich und ein Privathalter sind bislang die einzigen Orte, an denen Pacheco im EEP aufgetreten ist In Zürich führte die Erkrankung 1990 zum TotaIverlust der Hyazintharas sowie etlicher weiterer Papageien. Der Privathalter bußte 60% seines recht umfangreichen Papageienbestands ein. Offensichtlich ist Pacheco in nordamerikanischen Papageienbeständen weiter verbreitet Die Krankheit bricht oft ohne klinische Symptome aus: Die Vögel sind scheinbar unauffällig und sterben plötzlich. In EinzeIfällen sind die Vögel unmittelbar vor dem Existus apathisch, zeigen eine häemorrhagische Diarrhoe oder erbrechen Futter. Besonders betroffen sind südamerikanische Papageien, wobei Amazonen hochsensitiv sind (Hochleithner & Hochleithner 1993; Krautwald et al.1988). Ein Nachweis (Neutralisationstest) im Blut kann geführt werden. In den meisten FäIIen wird die Diagnose post mortem durch die Sektion geführt. Streß und Sekundärinfektionen konnen den Ausbruch von Pacheco positiv beeinflussen. Wegen des Ausbruchs der Krankheit ohne klinische Symptome bzw. mit Symptomen, aber gefolgt vom Exitus binnen weniger Stunden, ist eine Behandlung schwierig. In USA wurde von BIOMUNE Inc., 8906 Rosehill Road, Lenexa, Kansas 66215 ein Impfstoff gegen Pacheco entwickelt Es handelt sich um einen inaktivierten Virus-Impfstoff in einer ÖlemuIsion zur intramuskulären Injektion. In der BRD ist der Impfstoff noch nicht zugelassen. Wichtig ist, daß neue Vögel, besonders aus Beständen, die Pacheco-verdächtig sind, isoliert gehalten und Blutproben genommen werden. Dies dürfte insbesonders Vögel betreffen, die direkt aus den USA kommen oder aber beschlagnahmte Wildfänge.

Eine weitere in Florida bekannte Erkrankung ist in Europa meines Wissens noch nicht bekannt geworden: Die Sarcocystis-Erkrankung. Sarcocystis spec. wird in Florida hauptsächlich durch Opossums übertragen, aber auch Vögel wie Tauben, Kanarienvögel und einige Finkenarten können Träger sein (Clubb et al.1988). Sarcocystosis ist überwiegend auf AItweItpapageien beschränkt, betrifft aber auch junge Neuweltpapageien. Bekannt ist mindestens ein Todesfall bei Ara ararauna.

Probleme macht auch die neuropathische Magendilatation (Macaw wasting disease) (Grimm et al. 1993; Hochleithner & Hochleithner 1993), die immer wieder auftritt. Paramyxoviren werden als Erreger vermutet. Eine Heilung ist nicht möglich. Durch die bis zu 2 Jahren andauemde Inkubationszeit sind auch Quarantänemaßnahmen sehr fraglich. Die Diagnose erfolgt über die Eingabe von Röntgenkontrastmitteln und die Kontrolle von deren Weg im Vogel. Im EEP wurde bislang kein Fall registriert, wohl aber bei Privathaltern von Hyazintharas (Grimm, mdl.). Vogel aus Beständen, in den MWD aufgetreten ist, sollten auf keinen Fall unmittelbar zu Zuchtgruppen oder zur Verpaarung in die Großvolieren gegeben werden. Hier ist eine mindestens 2-jährige Absonderung anzuraten.

b) ungenügende Kenntnis über die Biologie der Art

In der Standartliteratur über Papageien finden sich nicht ausreichende Informationen über die Biologie. Robiller (1990) behandelt in seinem instruktiven Werk auch den Hyazinthara. Der Text beinhaltet eine gute Zusammenfassung des derzeitigen Kenntnisstands: Einzelrezepturen, einzelne Bruterfolge, in Ansätzen Beschreibung des Verhaltens vor und im Nest, Brutzeiten, Handaufzucht Die Informationen über das Verhalten in freier Wildbahn sind knapp. Dafur findet sich eine Textstelle, die in der heutigen Zeit in einem modernen Buch über Papageienhaltung absolut deplaziert ist (S. 20) : "Ein Einzelvogel kann sehr gut auf einem Kletterbaum, Ständer oder Bügel gehalten werden, ein Käfig ist ungeeignet. An-fangs empfiehlt es sich, die Schwingen eines Flugels zu beschneiden." Alderton (1991) widmet in seinem 5tandardwerk dem Hyazinthara eine knappe halbe Seite (S. 202): Die Art wird kurz beschrieben, die geographische Verbreitung benannt. Hoppe (1983) und Sick (l984) geben rnehr Informationen über die Biologie der Art im Pantanal.

Dieser grobe Überblick verdeutlicht das Dilemma nicht nur der Hyazintharas: Wir wissen noch viel zu wenig,.da die Freilandforschung an den Aras gerade erst begonnen hat. Hyazintharas bewohnen im Pantanal Sumpfwalder, Strecken mit Buriti-/Acrocomia-Palmen deren Früchte mit zu ihrer Hauptnahrung gehören, sowie laubabwerfende lichtere Wälder. Die Tiere werden teils in Paaren, teils in kleineren Gruppen gesehen, die oft als "Familienverbände" angesprochen werden (Hoppe 1983). Unklar ist, wie groß Reviere sind, ob die Vögel paarweise oder in lockeren Gesellschaften brüten, wobei Nester in Hörweite sein können. In diesem Zusammenhang ist auffällig, daß die besten Zuchtergebnisse im EEP in den Haltungen gelingen, wo mehrere Paare dicht beieinander in separaten Zuchtvolieren gehalten werden (z.B. Stockholm Akvariet}. Marquardt (1992) beschreibt ein Experiment zum Koloniebruten bei Hyazintharas, welches den Verdacht der Gesellschaftsbrütens in Hörweite untermauert. Robiller (1990) berichtet von einem Paar, welches eine weitere Henne duldete.

Es ist dringend erforderlich, daß in dem im EEP existierenden Großvolieren und Zuchtanlagen Vergleichsbeobachtungen angestellt werden, die mit Freilandbeobachtungen korreliert werden müssen. Sollte sich der Verdacht erhärten, daß Hyazintharas in Gesellschaft besser brüten, da sie sich eventuell gegenseitig stimulieren, wird dies Konsequenzen in der Haltung haben müssen. Eine weitere Unbekannte ist das Verhalten im Schwarm, wie dieser entsteht, seine Zusammensetzung und seine Fluktuationen, muß dringend sowohl im Zoo als auch im Pantanal untersucht werden. Im Tierpark Dortmund wurden teilweise bis zu 12 Hyazintharas in der großen Flugvoliere gehalten. Das Zusammenbringen neuer Vogel verlief in der Regel ohne größere Probleme, solange die Paarbindung noch nicht einsetzte. Paare können sich allerdings relativ schnell finden und werden dann sofort dominant, beginnen die anderen Vögel zu vertreiben. Das gleiche Verhalten beschreibt Marquardt (1992).

c) ungenügende Kenntnis über das notwendige Futter der Art

Hyazintharas sind Nahrungsspezialisten, was bereits ihr großer Schnabel verdeutlicht. Ihre Hauptnahrung sind ölhaltige Nüsse, wie die der Buriti- (Mautiris ssp.) oder Acrocomia-Palmen (Acrocomia ssp.) (Hohenstein 1987; Hoppe 1983). Zum öffnen der Nüsse verwenden sie kleine Stöckchen als Hilfen, was von Hohenstein (1983) als Werkzeuggebrauch beschrieben wurde. Die Aras nehmen auch Früchte, Obst, zernagen Äste und Blätter und wurden im Pantanal sogar beim Fressen von Wasserschnecken beobachtet (Roth mdl. nach Robiiler 1990). Inwieweit Schwankungen im Futterangebot während des Jahres wichtig, spezielle Futterinhaltstoffe essentiell sind, bedarf der dringenden Klärung. Im Tierpark Dortmund wurden Früchte von Acrocomia totai, die Hohenstein zur Verfügung stellte, an die Hyazintharas verfüttert. Die Vögel nahmen sie sofort an und zeigten auch den beschriebenen Gebrauch der Ästchen beim öffnen der extrem harten Nüsse. Marquardt (1992) beschreibt, daß die Hyazintharas beim Anbieten von Königspalmnüssen (Syagrus roman- zoffianum) so aufgeregt wurden, daß sie das Anbringen der Fruchtstände nicht abwarteten sondem die Fruchtstände schon während des Anbringens beflogen und Nüsse fraßen.

Im Zoo Dresden wird ein Projekt gestartet, welches sich dieser Problematik annimmt


Vermerk des Internet-Redakteur

Seitdem dieser Bericht erschienen ist, hat man viel von der Forschungsarbeit von Wissenschaftlern wie Neiva Guedes über die Art in der Natur erfahren.

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