In der Systematik bzw. Taxonomie wird die Benennung jedoch nach anderen Gesichtspünkten vorgenommen. Linné.auf den sich der wissenschaftliche Name (Ara) Ararauna L.., 1758 (Wolters, 1982) bezieht, benutzte fur seine "Systema naturae" (1758) das berühmte Marcgrafsche Werk von 1648 über die Vögel Brasiliens. in dem der Gelbbrustarara (Ara ararauna L..) abgebildet ist und unter dem Namen "Ararauna" beschrieben wird. Marcgraf, der sieben Jahre lang in Brasilien u.a. die Vogelwelt erforscht hatte, konnte dieses Werk jedoch nicht selbst fertigstellen, sondern hinterließ Notizen über brasilianische Vögel. Diese hatte er, um sie vor Mißbrauch durch einen anderen zu schützen, in einer Geheimschrift niedergeschrieben. De Laet übernahm in mühsamer Arbeit deren Entzifferung und Ordnung, so daß das Werk gedruckt werden konnte. Seither heißt der Gelbbrustarara in Europa und überall auf der Welt, wo das europaische Denken vorherrscht, "Ararauna". Erwin Stresemann schreibt in seiner Geschichte der Ornithologie: " Über 150 Jahre lang sind Marcgrafs Mitteilungen die einzige Quelle für die Kenntnis brasilianischer Tiere geblieben, weil die Portugiesen, die sich 1648 gegen die holländische Besatzung erhoben und 1653 deren letzten brasilianischen Stützpunkt Pernambuco zurückeroberten, hinfort alle Nachrichten über dieses Land unterdrückten, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Bann endlich gebrochen werden konnte. Ray, Brisson und Buffon haben Marcgrafs Angaben in ihre Werke verarbeitet, Linnaeus und Gmelin nicht weniger als 45 Speziesnamen ganz allein auf seine Beschreibungen gegründet.... . . ."
In Brasilien dagegen hat die Tupi-Sprache der indianischen Ureinwohner einen nachhaltigen Einfluß auf die portugiesische Landessprache genommen. Viele brasilianische Wörter, vor allem Namen aus der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt, stammen aus der Tupi-Sprache, die nur eine von vielen indianischen Sprachen ist. Die Tupi-Sprache war zur Zeit der Konquistadoren die vorherrschende Sprache der Indianer gewesen, die auf einem langen Küstenstreifen am Atlantik gelebt hatten. Als "Lingua geral" wurde sie von den Jesuiten verbreitet und wurde so zu einer weitreichenden Verkehrs- und Handelssprache. Die "Lingua geral" wird in manchen Gegenden Amazoniens heute noch gesprochen, wenn auch vielfach abgewandelt.
Außer dem Hyazinth-Arara war im alten Schrifttum auch eine andere Art der Gattung Anodorhynchus bekannt: der Meerblaue Arara (Anodorhynchus glaucus Vieill., l8l6). Man vermutet, daß er inzwischen ausgestorben ist. Seine Heimat lag in Paraguay. In der Guarani-Sprache hieß er ,.Guaa-obi", wobei Guaa wiederum (wie: Arara) lautmalerisch ist und mit "obi" sowohl Blau als auch Grün bezeichnet wird. Die dritte Art der Gattung Anodorhynchus, von den Einheimischen der jüngeren Zeit "Schwarzer Arara" genannt, ist der seltene Lear-Arara (Anodorhynchus leari Bonap., 1856). Seine Heimat in Nordost-Bahia (Brasilien) wurde erst Ende des Jahres 1978 von Helmut Sick entdeckt.
Martius begegnete auf seinen Reisen in Brasilien Anfang des 19. Jahrhunderts wiederholt Hyazinth-Araras (Anodorhynchus hyacinthinus), so z.B. in einer "herrlichen Waldung" von Buriti-Palmen, welche sich fast eine Legoa (ca. 6 km) lang in niedrigen Wiesen hinzog. Er erzählte: " Zahlreiche stahlblaue Araras (die Araruna, Ara hyacinthinus), die Bewohner der erhabenen Wipfel, umkreisten uns paarweise im Fluge und ließen ihr krachzendes Geschrei durch die friedliche Gegend erschallen." Martius meinte: "So schön der Federschmuck dieses Vogels ist, so sehr beleidigt sein heiseres, durchdringendes Geschrei auch die unempfindlichsten Ohren, und gewiß hätte er, wenn er dem Alterthume bekannt gewesen wäre, als ein unheilbringender Vogel von der übelsten Vorbedeutung gegolten."
In einer indianischen Juruna-Mythe vom Jungbrunnen im Himmel wurde ein Mann, der sich als unwürdig erwies, statt in das Wasser des Jungbrunnens in schmutziges, dunkles Wasser gesteckt und verwandelte sich in einen "araraúna". Er flog als "Schwarzer Arara" aus dem Wasser empor und wurde verflucht. Als ein zweiter Juruna, obwohl er zuvor ein Verbot mißachtet hatte, die Himmelsleiter benutzte, die zu diesem Jungbrunnen führte, brach sie und wurde nie wieder herabgelassen. In beiden Fällen bestand das Vergehen in sexuellem Fehlverhalten, das als menschliche Schwäche verstanden wurde.
In der indianischen Heimtierhaltung spielten die Hyazinth-Araras im ganzen gesehen eine weniger bedeutende Rolle als die roten und gelb-blauen Arara-Arten, deren Federn im allgemeinen begehrter waren und für den kultischen Federschmuck benötigt wurden. Wo sie als zahme Heimtiere gehalten wurden, durften sogar kleine Kinder mit ihnen spielen. Der römische Tiergartendirektor Knottnerus-Meyer sagte über Exemplare, die er im Jahre 1910 in Hagenbecks Tierpark auf Bügeln antraf: "Die riesigen Hyazinth-Araras aber, deren gewaltige Schnabel so furchtbar erscheinen, waren alle handzahm, wie sie es ja meistens sind." Leider ist diese prächtige Papageienart inzwischen in ihrer Heimat bedroht, so daß Exemplare in Zoos heute eher vor einer Gefährdung durch menschliche Besucher (z. B. mittels einer Glasscheibe) geschützt werden müssen.
Hyazinth-Araras sind vermutlich schon bald nach der Entdeckung Amerikas nach Europa gebracht worden. Die bedeutendste Tiersammlung seiner Zeit besaß Kaiser Rudolf II. (1552 -1612), dessen Hofmaler Hoefnagel, Vater und Sohn, die zoologischen Kostbarkeiten in Gemälden festhielten. Erwin Stresemann erkannte darunter einen Anodorhynchus, er vermutete Hyazinth-Arara. Er schreibt: "Die meisten dieser seltenen Vogel waren über Holland nach Österreich gelangt." Um 1580 hatten die Niederländer an der Küste von Guayana Fuß gefaßt. Manche Indianerstamme verfügten über ein gut ausgebautes Handelsnetz.
Tatsächlich kamen Hyazinth-Araras in der Großlandschaft Guayana vor, die den Nordosten Südamerikas zwischen dem Atlantischen Ozean, Amazonas und Orinoco umfaßt und sich auch auf brasilianisches Gebiet erstreckt. Auf seiner "Naturforscherfahrt nach dem Litoral des südlichen Guyana zwischen Oyapock und Amazonenstrom" entdeckte Goeldi im Jahre 1895 Hyazinth-Araras (Anodorhynchus hyacinthinus) in großer Anzahl. Er erzählt, wie er sie an einem See brütend fand: "die frischen Canarána-Wiesen gerade uns gegenüber, vorgelagert einem majestätischen Wald riesig hoher und schlanker Miritý-Palmen, auf denen blaue Hyazinth-Araras jeden Augenblick krächzend einfielen".
Die bekanntesten Verbreitungsgebiete, die von Forschern häufig aufgesucht wurden, sind das Mato-Grosso-Gebiet und Gebiete in Goiás, West Minas, Bahia, Piaui, Maranhâo bis Süd-Pará. Helmut Sick nannte den Hyazinth-Arara einen charakteristischen Bewohner von Palm-Savannen. Hyazinth-Araras können sehr harte Nüsse knacken. Ihre bevorzugte Nahrung sind nach Sick jedoch u. a. unreife, weiche Nusse, kleine Saaten sowie Sprossen bestimmter Palmen. Außerdem fressen sie zahlreiche Früchte, darunter Feigen.
Die beigefügten Bilder sind im Pantanal von Mato Grosso (Brasilien) fotografiert worden. Das Pantanal ist eine Niederung mit ausgedehnten Feuchtsavannen, die während der Regenzeit überschwemmt sind. Waldinseln und Galeriewälder kommen auf erhöhten Stellen vor, letztere auf Flußuferwällen und erhöhten Ufern der sog. Umlaufseen. Teilweise handelt es sich um halb-sommergrüne Feuchtwälder mit Tecoma-Arten, Jacaranda, Caryocar und Vochysia. Palmen werden häufig von sog. Würgerfeigen umwachsen. In abgestorbenen Palmstrünken haben Hyazinth-Araras ihre Bruthöhlen, aber auch in Baumhöhlen großer Bäume, manchmal in Felsennischen.
Sick, der Hyazinth-Araras auf Forschungsreisen häufig beobachtet hatte, sagte, "der mächtige Schnabel eines ausgewachsenen Hyazinth-Araras wirke unverhaltnismäßig größer als der Kopf. Von weitem und bei ungünstigen Lichtverhältnissen schaute sein Gefieder schwarz aus, so daß der volkstümliche Name "Schwarzer Arara" (Arara preta, Arara una) durchaus begründet sei. Sick stellte fest, daß dieser Vogel außer dem Menschen kaum Feinde habe. Freilebende Hyazinth-Araras werden meistens als sehr scheu beschrieben. In angeschossenem Zustand und während der Brutzeit neigen sie dazu, den sich nähernden Menschen anzugreifen, und können diesem erhebliche Verletzungen beibringen. Bisher wurden sie, neben der traditionellen indianischen Jagd, in armen Regionen von den Einwohnern als Fleischlieferanten gejagt. Der Lebendfang spielte erst in jüngster Zeit eine bedrohliche Rolle, als international die Preise fiir diese Vögel hochschnellten und im Handel große Gewinne gemacht werden konnten.
Literatur
Andere Artikel über den Hyazinthara in der Natur
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