Der Zoologe Johannes Baptist von Spix und der Botaniker C.F.P. Martius, beide vom Bayrischen Museum in Munchen, bereisten von 1817 bis 1820 Brasilien und besuchten dort auch den Nordosten. Im Jahre 1819 sammelte von Spix in der Region von Juazeiro, Bahia, eine bis dahin unbekannte Ara-Art; der deutsche Biologe J.G. Wagler gab 1832 dieser Ara-Art nach ihrem Entdecker den Namen Sittace spixii.
Der Spix-Ara ist sicher einer der am wenigsten bekannten Papageien der Neotropischen Region. Mit seinen knapp 60 cm Gesamtlänge zählt er zu den mittelgroßen Aras. Sein Körpergefieder ist graublau; Stirn und Kopfseiten sind grauer, die Schwingen kobaltblau. Besonders fallen der extrem lange Schwanz und der im Verhältnis zur Größe des Vogels schwache Schnabel auf. Aufgrund seiner gesamtblauen Färbung wurde der Spix-Ara von verschiedenen Autoren nahe zu den Aras der Gattung Anodorhynchus (Hyazinthara, Meerblauer Ara und Lear-Ara) gestellt oder als Bindeglied zwischen den Vertretern der Gattung Anodorhynchus und jenen der Gattung Araangesehen.
Betrachtet man jedoch die Körperproportionen des Spix-Ara und berücksichtigt man sein Verhalten (soweit bis heute bekannt!), läßt sich eine solche These kaum aufrechterhalten. Zu Recht steht die Art in einer eigenen Gattung.
Nach der Entdeckung durch von Spix finden wir keine weiteren Angaben über die Art, bis im Jahre 1903 Reiser (1926) in der Gegend von Parnaguá, Piauí, zweimal solche Vögel beobachten konnte (drei Individuen am 18. und zwei am 21. Juni 1903). Wie wir seinem Bericht entnehmen können, gelang es ihm jedoch trotz all seiner Bemühungen nicht, ein Exemplar dieser seltenen Ara-Art zu sammeln, da die drei Vögel, die an der Lagoa von Parnaguá zur Tränke kamen, extrem scheu waren. Auch nach Reisers Beobachtungen blieben Hinweise auf diese mittelgroßen, blauen Aras fast vollständig aus, so daß kaum etwas über ihre Lebensweise im Freiland bekannt war.
Die Verbreitung des Spix-Ara wird in der Literatur wie folgt angegeben: NordostBrasilien in Süd-Piauí (Parnaguá) und Nordost-Bahia (Juazeiro). Er soll auch im südlichsten Zipfel von Maranhão vorkommen (Sick & Teixeira 1979), ebenso in Nordost-Goiás (Ridgely 1981) und eventuell in Pernambuco. Innerhalb seines Verbreitungsgebietes kommt er nur lokal und unregelmäßig vor und soll Palmhaine, vor allem Bestande der Buriti-Palme Mauritia flexuosa, bevorzugt aufsuchen (Meyer de Schauensee 1971, Sick 1985). Die Art wurde von Sick und Teixeira (1979) in die "Liste der seltenen und bedrohten Vogelarten Brasiliens" aufgenommen; in der CITES figuriert sie in Anhang I.
In Gefangenschaft ist der Spix-Ara selten anzutreffen. In Europa existiert er nur in ganz wenigen Zoos oder Vogelparks, und sicher gibt es eine ganze Reihe von Papageienliebhabern, die diese raren Vogel nur von Abbildungen her kennen und noch nie Gelegenheit hatten, sie irgendwo lebend zu sehen.
Das fast vollständige Fehlen von Informationen über den Spix-Ara bewog mich, als ich 1983 nach Maranhão im Nordosten Brasiliens kam, ein Projekt über diese Papageienart zu lancieren. Nach mehreren vergeblichen Versuchen konnten wir schließlich mit Unterstützung des ICBP (International Council for Bird Preservation), Panamerican Section, im Juni/Juli 1985 unsere erste Expedition in das für den Spix-Ara angegebene Verbreitungsgebiet starten. In den Jahren 1986 bis 1988 folgten weitere Expeditionen, und wir erhielten zusätzlich die Unterstützung von der Zoologischen Gesellschaft für Arten-und Populationsschutz in München, vom Brasilianischen IBDF (Instituto Brasileiro de Desenvolvimento Florestal) und vom WWF-US (World Wildlife Fund-US).
Ziel des Projektes war, Informationen über diesen seltenen Ara zu sammeln; insbesondere war es - im Hinblick auf erforderliche Schutzmaßnahmen fur diese Vogelart - dringend nötig, mehr zu wissen über Biologie, aktuelle Verbreitung und Populationsgröße, insbesondere auch, Daten zu sammeln über Habitatsstruktur und Nahrungsgewohnheiten, und herauszufinden, ob die Art tatsächlich so selten ist, wie aufgrund der spärlichen Hinweise in der Literatur angenommen werden mußte.
II. Resultate des Projektes
Natürlich ist die Direktbeobachtung von Spix-Aras im Freiland der beste Nachweis für das Vorkommen der Art in einer bestimmten Region, und wir nutzten daher auf unseren Reisen stets die Morgen- und Abendstunden - in den Tropen fast die einzigen Zeiten, zu denen Vogel aktiv sind - fiir ornithologische Beobachtungen. Da aber bei einer so seltenen Art, wie es der Spix-Ara nun einmal ist, Direktbeobachtungen ohne sehr präzise Hinweise äußerst unwahrscheinlich sind, wendeten wir die restliche Zeit auf, um die lokale Bevölkerung außer über das Vorkommen des Spix-Aras auch über verschiedene Papageienarten sowie andere Vögel zu befragen. Solche allgemeinen Fragen sollten u.a. dazu dienen, erhaltene Hinweise auf den Spix-Ara zu relativieren und damit besser werten zu konnen. Unsere erste Expedition im Jahre 1985 hatte uns in den Süden des Staates Maranhão und die angrenzenden Regionen Piauís geführt. Auf dieser Reise hatten wir Informationen über ein mögliches Vorkommen des Spix-Ara in der Region von Juazeiro in Bahia erhalten. Aufgrund dieser Angaben besuchten wir auf unserer zweiten Expedition die Gegend von Juazeiro und hatten in den Jahren 1986 und 1987 dann tatsächlich mehrere Male Gelegenheit, die letzten Vögel dieser Population zu beobachten.
Außerdem führte uns eine Reihe von Reisen in andere Regionen, fur die wir von verschiedenen Seiten Hinweise auf den Spix-Ara hatten, doch konnten wir nirgends einen weiteren definitiven Nachweis fur das Vorkommen dieser Vögel erbringen. Im Folgenden sollen die Resultate des Projektes etwas ausführlicher dargestellt werden:
Die Geschichte der Population in der Gegend von Juazeiro, Bahia
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Als wir 1985 die ersten Berichte über diese Population hörten, wurde von fünf übriggebliebenen Individuen einer ehemals recht starken lokalen Population gesprochen. Bei unserem ersten direkten Kontakt mit den Vögeln im Mai 1986 konnten wir noch drei Spix-Aras beobachten. Von Mai 1987 an wurden zwei Individuen gesichtet; diese beiden letzten Exemplare wurden um die Jahreswende 87/88 von einem Fänger aus Petrolina weggefangen. Weil solche Fänger in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich sind und der erwähnte Fänger bei dieser Gelegenheit gleich mit einer ganzen Gruppe von bewaffneten Männern in das Gebiet eingedrungen war, wagten die von uns beauftragten lokalen Überwacher nicht einzugreifen, und die Kontaktleute vom IBDF in Brasilia waren zwischen Weihnacht und Neujahr nicht erreichbar.
Laut Angaben, die wir von älteren Einwohnern der Region erhielten, setzte sich diese Population von Spix-Aras noch zu Beginn des Jahrhunderts aus dreißig oder mehr Paaren zusammen. Die Vögel lebten in der Region östlich von Juazeiro, in der Gegend von Curaçá, entlang einiger kleinerer Zuflüsse zum Rio São Francisco, und sollen gelegentlich sogar die Ufer dieses großen Flusses besucht haben. Wir können also aus sehr guten Gründen annehmen, daß von Spix das erste Belegexemplar, das ja von den Ufern des Rio São Francisco stammt, bereits aus dieser Population sammelte.
Sicher wurden hier schon früher ab und zu Jungvögel entnommen, um sie in Gefangenschaft aufzuziehen. Dies hatte jedoch dem noch gesunden Bestand kaum geschadet. Dann jedoch begannen wenige, spezialisierte Fänger in den sechziger und siebziger Jahren die Population in steigendem Maße auszubeuten, und die ins Absurde steigenden Preise fur diese Art auf dem "Markt" sorgten dafur, daß auch die letzten Exemplare weggefangen wurden.
Als Ursachen für den rapiden Rückgang wurden vor allem drei Gründe zitiert:
1.) Direkte Jagd: In ganz Brasilien ist die Jagdtätigkeit der einheimischen Bevölkerung sehr intensiv. Alles, was in irgendeiner Form als Nahrung genutzt werden kann, wird sowieso erlegt, und darüber hinaus wird eine ganze Reihe von Tierarten aus "Freude an der Jagd" umgebracht. Es ist also wahrscheinlich, daß der eine oder andere Spix-Ara dieser Jagdleidenschaft zum Opfer fiel. Sicher kam im Jahre 1985 einer der damals noch verbliebenen fünf Vogel auf diese Weise ums Leben. Dennoch waren solche Abschüsse wohl mehr oder weniger zufällig und dürften kaum ein bestimmender Faktor auf dem Wege zum Untergang dieser Population gewesen sein.
2.) Afrikanische Bienen: Die eingeführten Afrikanischen Bienen besetzen natürliche Baum- und Felshöhlen. In der Region von Curaçá konnten sie daher mit den Spix-Aras um Höhlen konkurriert bzw., diese sogar aus ihren Höhlen vertrieben haben. Die einschlägigen Fänger berichten, daß der Bruterfolg der Spix-Aras in den letzten Jahren sehr niedrig gewesen sei, und schreiben die Schuld dafür den Afrikanischen Bienen zu. Bekanntlich sind die eingeführten Bienen in Gegenden, wo sie sich frisch ausbreiten, besonders aggressiv; wahrend der Ausbreitungsphase in der Curaçá-Region sollen "Killerbienen" auch brütende Spix-Aras in der Höhle angegriffen, ja sogar umgebracht haben.
3.) Fang für Gefangenschaftshaltung: Ohne Zweifel war der Vogelhandel die bedeutendste Bedrohung, und mit Sicherheit führte dieser Faktor schlußendlich zum Erlöschen der Population. Zu Beginn des Jahrhunderts schon hatte Reiser (1926) in Brasilien einen Spix-Ara in Gefangenschaft gesehen. In den zwanziger Jahren dürften zum ersten Male Spix-Aras Brasilien verlassen haben, auf dem Wege nach Europa oder den U.S.A. (Low, 1972). Ab diesem Zeitpunkt wurden der Population gelegentlich Jungvogel entnommen; der unaufhaltbare Rückgang der Population setzte jedoch erst in den sechziger und siebziger Jahren ein, als spezialisierte Fänger begannen, systematisch Jungvogel auszunehmen und später auch Altvogel wegzufangen.
Anfangs gelangten vermutlich vorwiegend Jungvögel von einem oder zwei bekannten Nestern auf den Markt. Die steigenden Preise erhöhten jedoch die Nachfrage nach diesen seltenen Vögeln, und die Jagd nach den Altvögeln setzte ein. Altvögel wurden entweder an ihren traditionellen Sitzplätzen auf Leimruten oder, zusammen mit den Jungen, in der Bruthöhle gefangen. Auf diese Weise war es möglich, die auf 30 Paare geschätzte Population innerhalb weniger Jahre vollständig auszulöschen. Dazu eine kurze Ubersicht:
1977-1984: Nach Informationen aus der einheimischen Bevölkerung und von Fängern wurden von 1977 bis 1984 mit Sicherheit mehr als 9 Altvögel aus der Curaçá-Population weggefangen (siehe auch Thomson & Munn, 1988).
1984/ 1985: Nach Informationen, die wir von Fängern erhielten, wurden in der Saison 1984/85 10 bis 12 Vögel aus der Population entnommen, davon mindestens 7 Altvögel.
1985: In diesem Jahr waren noch fünf Vögel übrig; von einem lokalen Fazendeiro wurde in diesem Jahr ein Spix-Ara erlegt. (Nach Informationen aus der einheimischen Bevölkerung).
1986: Als wir 1986 zum ersten Male in die Gegend von Curaçá kamen, waren dort noch drei Spix-Aras übrig.
1987: Bis zum April 1987 wurden weiterhin drei Vögel gesehen, ab Mai waren es nur noch zwei. Über den Verbleib des dritten konnten wir keine Informationen erhalten.
1987/1988: Wenige Tage vor Weihnachten 1987 fing ein Fänger aus Petrolina den einen der beiden übriggebliebenen Vogel weg, und der letzte Spix-Ara aus dieser Population wurde in den ersten Tagen des Jahres 1988 vom gleichen Fänger eingefangen (nach telefonischen Informationen aus der einheimischen Bevölkerung).
Habitat-Beschreibung
Wie bereits in der Einführung erwähnt, wurden als Habitat des Spix-Ara vor allem Palmhaine (Meyer de Schauensee, 1971) oder, spezieller, Bestände der Buriti-Palme Mauritia flexuosa genannt (Sick, 1985). Zumindest fur die Population in der Gegend von Juazeiro/Curaçá sind solche Feststellungen mit Sicherheit nicht zutreffend, da Palmen in jener Region fast vollständig fehlen.
Juazeiro liegt im niederschlagsarmen Nordosten Brasiliens. Die natürliche Vegetation ist hier eine "Caatinga" genannte Dornbuschsteppe, charakterisiert durch ein Vorherrschen von Euphorbiaceen (Wolfsmilchgewächse), von denen insbesondere die "Favela" Cnidoscolus phyllacanthus und der "Pinhão" Jatropha pohliana wichtig sind. Andere Charakterpflanzen dieses Typs von Caatinga sind unter anderen die "Catingueira" Caesalpinia sp., der "Joazeiro" Ziziphus joazeiro und verschiedene Kakteen (z.B. der "Facheiro" Cereus squamosus, der "Xiquexique" Pilocereus gounellei sowie diverse Opuntia-Arten) (Hueck, 1966). Die beschriebene Vegetationsform kommt in weiten Bereichen des brasilianischen Nordostens vor. Die Region von Curaçá jedoch, in der der Spix-Ara lebte, zeichnet sich durch eine hohe Zahl von kleineren Wasserläufen aus, die saisonal mehr oder weniger austrocknen; entlang diesen Wasserläufen wachsen, im Vergleich zur umgebenden, typischen Caatinga-Vegetation, hohe Bäume. Die typischste dieser höheren Baumarten ist die "Craibeira" Tabebuia caraiba.
Angaben zur Biologie
Wie unsere Beobachtungen zeigten, waren innerhalb des oben beschriebenen Habitats die Flußläufe mit den hohen Craibeiras besonders wichtig fur die Spix-Aras. Regelmäßig konnte man die Vögel entlang solcher Flüßchen beobachten; die letzten drei Vögel der Population hielten sich vor allem entlang des Melancia-Flusses auf; dort wählten sie die höchsten, herausragenden, meist trockenen und unbelaubten Äste einiger weniger traditionellerweise benutzter Craibeiras als Sitzplätze. Von da aus hatten sie einen weiten Ausblick, und bei Annäherung flohen sie normalerweise schon auf große Distanz. Im Fluge erinnerten die relativ langsamen, tiefen Flügelschläge eher an größere Aras, und die Spix-Aras ließen sich dadurch unschwer von den kleineren, schneller schlagenden, im gleichen Gebiet ebenfalls vorkommenden Rotrückenaras (Ara maracana) unterscheiden. Spix-Aras flogen meist hoch uber der Vegetation, und während des Fluges ließen die Vögel in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen ihren "kra-ark"-Flugruf ertönen.
In der Curaçá-Region verbrachten die Spix-Aras einen Teil des Tages auf ihren Sitzbäumen entlang der Flußläufe, flogen aber zur Nahrungsaufnahme weg und wurden dann gelegentlich in beträchtlicher Distanz von ihren traditionellen Aufenthaltsplatzen gesehen. Nach Informationen der lokalen Bevölkerung ernährten sich die Spix-Aras vorwiegend von Samen der Favela Cnidoscolus phyllacanthus und des Pinhão Jatropha pohliana. Die Früchte und Samen anderer Pflanzenarten, wie z.B. des Joazeiro Ziziphus joazeiro oder des "Paudecolher" Maytenus rigida sollen von den Aras ebenfalls gefressen worden sein, wären aber von geringerer Bedeutung gewesen. Favela und Pinhão gehören zu den häufigsten Pflanzenarten der Region, und ihre Samen sind auch während eines Großteils der Trockenzeit als Futter nutzbar, so daß wir wohl annehmen dürfen, daß nicht das Nahrungsangebot der begrenzende Faktor für die Population war.
Fänger erzählten uns, daß die Spix-Aras in den Höhlen alter Craibeira-Bäume gebrütet hatten. Die Brutzeit sei in die Periode von November bis März gefallen und habe sich, je nach Einsetzen der Regenfälle, jeweils leicht verschoben. Die Zahl der Jungen im Nest sei zwei oder drei, und, da die Jungen im Vergleich zu anderen Arten gleicher Größe einen kleinen Kropf hätten, müßten sie häufiger gefuttert werden als die Jungen anderer mittelgroßer oder großer Aras. Traditionelle Bruthöhlen wurden, wie wir feststellen konnten, von den Vögeln zu jeder Jahreszeit gelegentlich kontrolliert.
Die Nächte verbrachten die Vögel normalerweise auf den Craibeiras entlang der Flüßchen, doch kehrten sie außerhalb der Brutzeit nicht täglich zu diesen Plätzen zurück, und sie waren beobachtet worden, wie sie die Nacht auf einem hohen Facheiro-Kaktus Cereus squamosus verbrachten. Es kam auch vor, daß die Aras die Flußläufe für längere Zeit, d.h. bis zu mehreren Wochen verließen, doch verfügen wir über keine Informationen, wo sie sich während dieser Zeit aufhielten.
In der Region von Curaçá kommen auch andere Papageienarten vor. In den gleichen Bäumen, in denen wir die Spix-Aras beobachteten, sahen wir Rotrückenaras (Ara maracana), Blaustirnamazonen (Amazona aestiva), Kaktussittiche (Aratinga cactorum) und Blauflügel-Sperlingspapageien (Forpus xanthopterygius). Eine weitere, häufig anzutreffende Art, der Blaustirnsittich (Aratinga acuticaudata haemorrhous) besucht oft Bestände von Favelas, um dort zu fressen, und dürfte daher ab und zu mit Spix-Aras zusammengetroffen sein. Direkte Interaktionen konnten wir nur mit Rotrückenaras beobachten: Wenn Spix-Aras auftauchten, wurden die Rotrückenaras unruhig und sehr lärmig. Beide Arten saßen öfters zusammen in den gleichen Bäumen; saß ein Rotrückenara auf einem der bevorzugten Sitzplätze der Spix-Aras, geschah es nicht selten, daß er von da weggejagt wurde. Die beiden Arten brüteten ab und zu in denselben Baumen, allerdings nicht zur gleichen Zeit, da die Rotrückenaras ihre Brut erst im Februar/März beginnen. Spix-Aras benutzten zur Brut nur die großten Höhlen; kleinere Höhlen, die fur Rotrückenaras zwar noch geeignet sind, reichten für die beträchtlich größeren Spix-Aras nicht aus.
Aufgrund ihrer Lebensweise waren die Spix-Aras sehr "voraussehbare" Vogel, das heißt, sie benutzten immer wieder dieselben Sitzbäume, ja sogar innerhalb dieser Sitzbäume stets wieder die gleichen, bevorzugten Sitzplätze. Auch die Flugwege zwischen den Sitzbäumen und von diesen zu den Nahrungsgründen schienen ziemlich konstant eingehalten zu werden. Zur Brut benutzten Paare über Jahre hinweg immer wieder die gleiche Bruthöhle; von einer traditionellen Bruthöhle wurde uns erzählt, daß sie seit über 50 Jahren von Spix-Aras benutzt wurde, wobei wir natürlich nicht wissen, ob über lange Zeiträume hin stets das gleiche Paar die Höhle nutzte oder ob es in verschiedenen Jahren verschiedene Paare waren, die in ihr bruteten. Die Beobachtungen an den letzten verbliebenen Paaren deuten eher darauf hin, daß ein bestimmtes Paar, falls möglich, wieder zum gleichen, zu "seinem" Brutplatz zurückkehrte. Es scheint denn auch, daß genau diese "Voraussehbarkeit" und das Festhalten an Traditionen das Schicksal der Art besiegelt hat; sie machten es den Fängern leicht, auch die Altvögel dieser sonst so scheuen Ara-Art einzufangen.
Die hier gemachten Angaben basieren auf Informationen, die wir in der Region von Curaçá sammelten, und beziehen sich daher auf die Vögel in jener Region. Inwiefern diese Angaben auch auf eventuelle andere Populationen zutreffen, entzieht sich unserer Kerintnis. Sicher müßten Habitat-Ansprüche und Lebensweise dieser Aras sich deutlich von den gemachten Angaben unterscheiden, sollten tatsächlich Populationen von Spix-Aras in Regionen vorkommen, die bezüglich Vegetation von der oben beschriebenen Caatinga in der Curaçá-Region so verschieden sind, wie beispielsweise die Cerrados in den "Gerais" im Grenzgebiet von Süd-Maranhão, West-Piauí, West-Bahia und Nordost-Goiás.
Die Suche nach Spix-Aras in anderen Regionen
Die Suche nach weiteren Populationen des Spix-Aras kann ohne weiteres mit der oft zitierten Suche nach der Nadel im Heuhaufen verglichen werden: Wenn wir das mögliche Verbreitungsgebiet der Art aus Daten in der Literatur und aus Hinweisen von Ornithologen, Vogelliebhabern und anderer interessierter Kreise abgrenzen, resultiert eine Fläche von ungefähr 300.000 Quadratkilometern. Es ist klar, daß uns weder Mittel noch Zeit zur Verfügung standen, ein so riesiges Gebiet abzusuchen, und wir müßten uns auf drei Kernzonen beschränken. Die Resultate fur die einzelnen Kernzonen werden im Folgenden separat dargestellt:
Die Gerais-Region
Die sogenannten Gerais liegen in der Region, wo die vier brasilianischen Staaten Bahia, Piauí, Maranhão und Goiás zusammentreffen, und stellen eine Fläche von ungefähr 80.000 Quadratkilometern dar. Die allgemeine Vegetationsform ist hier eine Art niederer Baumsavanne, genannt Cerrado, die in ihrer Ausbildung von offener Grassteppe, den sogenannten Campos, bis hin zu einer relativ dichten, hohen, fast waldartigen Baumsavanne, genannt Cerradao reicht. Entlang größerer Flüsse finden sich Galeriewälder, und in den Quellgebieten der Flüsse treffen wir Bestände von Buriti-Palmen: Mauritia flexuosa an, die sogenannten Buritizais, vom umliegenden Cerrado meist abgetrennt durch Streifen offenen Graslandes, die sogenannten Veredas. Die Quellgebiete verschiedener Flüsse sind durch Berge oder Hochplateaus, die Serras, voneinander abgetrennt.
Die Flüsse dieser Region führen zu drei verschiedenen Flußsystemen: Der Rio Preto und seine Nebenflüsse in West-Bahia entwässern zum Rio São Francisco, die Flüsse in Süd-Maranhão (Parnaiba, Parnaibinha, Rio Balsas und Nebenflüsse) und in Sudwest-Piauí (Rio Corrente, Rio Gurgueia) gehören zum Parnaiba-Bassin, und der Rio do Sono in Nordost-Goiás führt zum Rio Tocantins.
Hinweise auf ein Vorkommen des Spix-Aras in dieser Region kamen von Pinto (1978), der die Gegend des oberen Parnaiba in das Verbreitungsgebiet der Art einschließt, von Sick und Teixeira (1979), die angeben, daß drei im Jahre 1976 beschlagnahmte Spix-Aras, die heute im Zoo von Sao Paulo sind, aus Süd-Maranhão stammten, und von Sick (1985), der im Dezember 1974, zusammen mit seinem Assistenten, sieben Spix-Aras in der Gegend des Rio Riachao, eines Nebenflusses des Rio Preto in West-Bahia, beobachtete. Auch brasilianische Vogelliebhaber erwähnen Sud-Maranhão und Nordost-Goiás oft als möglichen Herkunftsort des Spix-Ara, und wie Keller (1987) in einem Report fur das "Spix-Ara Meeting" auf Teneriffa schrieb, sind Filadelfia, Tocantinia und Pedro Afonso (drei kleine Städtchen in Nordost-Goiás) Namen, die in Kennerkreisen im Zusammenhang mit dem Spix-Ara oft auftauchen.
Im Marz 1987 erhielt ich während eines kurzen Aufenthaltes in der Gegend von Corrente und bei einem Besuch im angrenzenden Süd-Maranhão von der lokalen Bevölkerung konkretere Informationen: In der Region des Parnaibinha seien mehrere Male zwei bis drei Spix-Aras gesehen worden. Bei einem weiteren Besuch des Gebietes im Marz 1988 trafen wir mehrere Leute, die uns das Vorkommen eines kleinen blauen Aras in jener Gegend bestätigten, und auf einer Strecke von 50 bis 60 km entlang des Parnaibinha lokalisierten wir mehrere Beobachtungsorte. Dennoch konnten wir keinen konkreten Nachweis erbringen, und in angrenzenden Gebieten waren diese Vögel unbekannt.
Erneutes Nachfragen in der Region des Parnaibinha im September 1988 zeigte, daß die Leute ihrer Sache nicht so sicher waren, und wir mußten an die Möglichkeit denken, daß die uns angegebenen Beobachtungen auf Fehlbestimmungen beruhen könnten. Vermutlich hatten die Informanten tatsächlich ungewöhnliche (für jene Gegend), blaue Papageien gesehen, und durch gegenseitige Beeinflussung hatten sie alle versichert, es hätte sich dabei um völlig blaue kleine Aras gehandelt. Der Versuch, die Artbestimmung durch Vergleich mit dargebotenem Bildmaterial zu bestätigen, legte jedoch den Schluß nahe, daß sie eher Schwarzohrpapageien (Pionus menstruus) gesehen hatten, die in dieser Region nur saisonal und in sehr kleinen Stückzahlen auftauchen. Die Tatsache, daß die betreffenden Vögel zusammen mit Blaustirnsittichen (Aratinga acuticaudata haemorrhous) in der Nähe eines Hauses in Mango-Baumen beim Fressen der Früchte gesehen wurden, ließe sich fur Schwarzohrpapageien leichter richtig einordnen als für Spix-Aras. Sollte unsere Schlußfolgerung richtig sein, fielen alle unsere direkten Hinweise fur ein Vorkommen des Spix-Aras in Sud-Maranhão dahin.
Im vorliegenden Fall hatten sich zwei Probleme gezeigt, die bei dieser Art von Befragung oft auftreten:
a. Auch wenn Leute mit den gewöhnlichen Vogelarten einer Gegend gut vertraut sind, haben sie oft Schwierigkeiten, seltene Arten korrekt zu beschreiben; entweder schildern sie Merkmale, die nicht existieren, oder sie übersehen Merkmale, von denen wir annehmen, sie müßten sie beachten.
b. In vielen Fällen ist es nicht möglich, eine gegenseitige Beeinflussung unter den Befragten völlig auszuschalten, so daß oft die Meinungen von befragten Personen abhängig sind von Ansichten, die von anderen Informanten bereits in früheren Interviews geäußert wurden.
Einen weiteren Hinweis, der von einem Vorkommen des Spix-Aras in Sud-Maranhão, nahe der Grenze zu Goiás in der Gegend von Lizarda, sprach, konnten wir leider auch nicht bestätigen.
Dreimal, erstmals 1986, dann zweimal 1988, besuchten wir die Region des Rio Preto in West-Bahia. 1986 konnten wir, damals noch mit unserem eigenen, wenig gelandegängigem Auto, nicht in die Gegend vordringen, wo Sick (1985) Spix-Aras beobachtet hatte.
1988 besuchten wir verschiedene Gebiete entlang des Rio Preto und seiner Nebenflüsse, ja wir überquerten sogar das Hochplateau der Serra Espigao und kamen bis nach Dianópolis in Nordost-Goiás. Trotz intensiver Beobachtungstätigkeit erwarteten wir natürlich nicht, in der relativ kurzen Zeit unseres Besuches selbst Spix-Aras zu sehen, doch hofften wir, jemanden zu finden, der uns das Vorkommen dieser Ara-Art in jener Region hätte bestätigen konnen. Unsere Hoffnung wurde leider enttäuscht, und dies, obwohl die Leute über sehr gute Kenntnisse der einheimischen Fauna verfügten.
Die Suche in Nordost-Goiás,in der Region der drei oben erwähnten Siedlungen Filadelfia, Tocantinia und Pedro Afonso, sowie im weiteren Einzugsbereich des Rio do Sono bis in die Gegend von Lizarda, brachte ebenfalls kein positives Resultat.
Die Gegend von Manoel Emidio in Piauí
Ein brasilianischer Ornithologe hatte uns mitgeteilt, daß er 1979 auf einer Fazenda in der Gemeinde Manoel Emídio Spix-Aras beobachtet hatte, wie sie in einen Buritizal einflogen, um dort zu fressen. Die betreffende Region kann dem Tal des Rio Gurgueia zugerechnet werden, doch entwässern wenige Flüsse des Gebietes direkt in den Rio Parnaiba. Die vorherrschende Vegetation ist Cerrado. Auf feuchteren Boden, entlang kleiner Flüßchen wachsen Buriti-Palmen und bilden zum Teil ausgedehnte Bestände. Lokal treffen wir in feuchten Niederungen auf geschlossenen, laubwerfenden Wald. Die Buritizais grenzen meist direkt an solche Wäldungen, ohne dazwischenliegende Grasstreifen. In einigen ziemlich klar abgrenzbaren Gebieten herrscht trockenere, caatinga-artige Vegetation vor, und es ist interessant, daß das Cerrado/Caatinga-Verteilungsmuster sich in einem mosaikartigen Verbreitungsmuster von Goldstirnsittich (Aratinga aurea) und Kaktussittich (Aratinga cactorum) widerspiegelt.
Im Juli 1987 und wiederum im Januar 1988 reisten wir in die Gegend von Manoel Emídio. Wir besuchten die Fazenda, wo die Vögel gesehen worden sein sollten, sowie eine Reihe weiterer, ähnlich aussehender Gebiete, ohne jedoch selbst Spix-Aras zu sehen oder jemanden zu treffen, der diese Vögel gekannt hatte und uns irgendwelche Informationen über ein Vorkommen der Art in naheliegenden Regionen hätte geben können. Ein Informant allerdings erzählte uns, daß vor mehreren Jahren für zwei oder drei Saisons ungewöhnliche mittelgroße Aras, eventuell die von uns gesuchten Spix-Aras, aufgetaucht und dann wieder verschwunden seien. Sollte diese Angabe richtig sein und sollte es sich tatsächlich um Spix-Aras gehandelt haben, könnten wir an eine andere Hypothese denken, nämlich, daß diese Vögel in einigen Gebieten eine nomadische Lebensweise haben, d.h., daß sie an einem bestimmten Ort nur fur relativ kurze Zeit auftauchen. Ein solches Verhalten wäre genau entgegengesetzt demjenigen, das wir von der Curaçá-Population her kennen, und selbverständlich wären nomadische Populationen viel schwieriger aufzuspuren.
In der ganzen Region von Manoel Emídio kommt der Rotbauchara (Ara manilata) vor und läßt sich, in Abhängigkeit von der Fruchtreife einzelner Buriti-Palmen, sporadisch in jedem Buritizal beobachten. Rotbaucharas sind meiner Ansicht nach diejenigen Vögel, die am ehesten mit Spix-Aras zu verwechseln wären, insbesondere unter schwierigen Beobachtungsbedingungen. Da sämtliche Einzelheiten, die uns der betreffende Beobachter lieferte, für den Rotbauchara gut passen wurden, kann eine Verwechslung der beiden Arten nicht ausgeschlossen werden.
Die Region von São Raimundo Nonato in Piauí
Ein brasilianischer Vogelhalter, der vertraut ist mit dem Spix-Ara und selbst Spix-Aras hielt, teilte mir brieflich mit, daß er über Angaben verfüge, daß die Art auch auf dem Gemeindegebiet von São Raimundo Nonato in Piauí vorkomme.
Während mehrerer Besuche lernten wir verschiedene Teile dieser Gemeinde kennen und schlossen in unsere Untersuchungen auch Gebiete von angrenzenden Gemeinden ein. Vor allem im südostlichen Zipfel von São Raimundo Nonato und den angrenzenden Teilen von Remanso, Bahia, fanden wir den gleichen Typ von Caatinga, charakterisiert durch das Vorherrschen von Euphorbiaceen (Wolfsmilchgewächsen), der so typisch ist für die Curaçá-Region, und es wäre nicht allzu schwierig, sich vorzustellen, daß der Spix-Ara dort entlang von geeigneten Flußläufchen vorkommen könnte. Dennoch konnten wir auch hier keinen Nachweis erbringen und trafen niemanden, dem Spix-Aras bekannt waren.
Das Hauptziel der letzten Projektphase, weitere Populationen des Spix-Aras zu finden, wurde also nicht erfüllt. Doch müssen wir uns im Klaren sein, daß nur ein positives Ergebnis beweiskräftig wäre; ein negativer Befund, auch in relativ gut bearbeiteten Gebieten, beweist keineswegs das Fehlen der Art in jenen Gebieten. Um die Resultate grob zu werten, müssen wir uns nochmals vor Augen führen, daß allein die Region der Gerais eine Fläche von 80.000 Quadratkilometern, also etwa zweimal die Fläche der Schweiz darstellt. Außerdem ist es ohne weiteres möglich, daß man sehr nahe an einem Ort vorbeikommt, wo Spix-Aras leben, ohne daß die Leute sie kennen. Daher ist es eine Illusion, zu glauben, mit dem uns möglichen Aufwand könnte man ein Gebiet in der angegebenen Größenordnung gründlich absuchen. Zudem wissen wir, daß die in jenen Gebieten aktiven Fänger, sowie die Drahtzieher in Petrolina und Floriano, stets über unsere Schritte orientiert waren und ihr Möglichstes taten, die Leute in den entsprechenden Gegenden auf unsere Befragungen vorzubereiten. Darüber hinaus ist in den letzten Jahren wegen der Kontrolltätigkeit des IBDF allgemein eine wachsende Zurückhaltung der Bevölkerung in allen die Fauna betreffenden Fragen festzustellen.
Innerhalb der nächsten Jahre wird sich zeigen, ob es tatsächlich weitere Populationen des Spix-Aras gibt, die den Vogelfängern bekannt sind (wie sie selbst behaupten!), oder nicht. Da die Curaçá-Population, die bis vor kurzem zumindest einen großen Teil (oder alle?) der Spix-Aras, die heute in Gefangenschaft sind, lieferte, nicht mehr existiert, müssen zukünftig auf dem "Markt" erscheinende Vogel von anderen Orten stammen, sofern sie nicht nachweislich in Gefangenschaft gezüchtet wurden. Denn auf eines können wir uns verlassen: Solange es Abnehmer gibt, die willig sind, absurde Preise für illegal beschaffte Tiere zu bezahlen, werden die betreffenden Händler und Fänger nicht zögern, auch weitere Populationen bis auf den letzten Vogel auszubeuten.
III. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
Aufgrund der bisherigen Ausführungen dürfen wir folgende Aussagen machen:
- mit Sicherheit ist (oder war) der Spix-Ara eine der seltensten Papageienarten (und Vogelarten überhaupt) des sudamerikanischen Kontinents.
- mit Sicherheit existiert die einzige Population, die wir kannten, nicht mehr; die Beobachtungen, die wir an den drei letzten Vögeln dieser Population machten, reichen nicht aus, um verbindliche Aussagen über die Biologie und die Habitat-Ansprüche der Art zu machen.
- mit Sicherheit war der ausschlaggebende Faktor für das Aussterben der Population nicht die Zerstörung des Habitats, sondern ganz eindeutig die gezielte Ausbeutung fiir den "Vogelmarkt"; also sind sogenannte "Vogelliebhaber" die Hauptverantwortlichen fur die traurige Bilanz.
- die negativen Ergebnisse unserer Suche nach weiteren Populationen sind kein Beweis fur das Nicht-Vorhandensein solcher Populationen. Dennoch dürfen wir aufgrund unserer Nachforschungen sicher sein, daß, wenn es weitere Populationen gibt, diese lokal sehr beschränkt sein müssen und nicht individuenreich sein können.
Eine Reihe von Fragen bleibt unbeantwortet, beispielsweise:
- warum ist der Spix-Ara so selten? Anscheinend war die Art seit ihrer Entdeckung selten und in ihrem Vorkommen lokal sehr beschränkt. Welche ganz speziellen Bedürfnisse bestimmten Populationsgröße und Verbreitung der Art?
- kommt die Art heute noch im Freiland vor, das heißt, gibt es weitere, uns nicht bekannte Populationen, und wie groß sind sie?
- wie lassen sich die Beobachtungen von Reiser und Sick einordnen? Vegetationstyp und Habitatsstruktur in den entsprechenden Regionen sind sehr verschieden von den Gegebenheiten in der Curaçá-Region, und es wäre nötig, die betreffenden Populationen aufzufinden, um ihre Lebensweise und Ansprüche kennenzulernen und damit das Gesamtbild fur die Art abzurunden.
- spielt die Buriti-Palme, wie von verschiedenen Autoren erwähnt, eine Rolle für den Spix-Ara? Sicher nicht in der Curaçá-Region, aber eventuell in anderen Gebieten?
- hatte die Art wegen der schon lange geringen Individuenzahl eventuell genetische Probleme? Könnten Gendrift oder andere genetische Mechanismen eine Rolle gespielt haben?
Abschließend müssen wir feststellen, daß wir auch nach Beendigung dieses Projektes noch immer sehr spärliche und lückenhafte Kenntnisse über den Spix-Ara haben. Klar ist jedenfalls, daß die Art im Freiland kaum eine Überlebenschance hat, auch wenn es noch weitere Populationen geben sollte, und daß daher das Schicksal dieses einzigartigen Aras, der zu Recht in eine eigene Gattung gestellt wurde, in den Händen der wenigen Hälter dieser Vögel liegt. Nachdem zu Beginn kaum Aussichten auf ein koordiniertes Zuchtprogramm bestanden, scheint nun doch die Tatsache, daß keine Zeit zu verlieren ist, den goodwill auf allen Seiten etwas zu beflügeln, und es beginnen sich Lösungswege abzuzeichnen. Auch sind, nachdem die Art während Jahren in Gefangenschaft nicht mehr gezüchtet worden war, erneute Bruterfolge zu verzeichnen. Die Hoffnungen auf ein Überleben der Art, wenigstens in Gefangenschaft, sind damit heute wieder berechtigter als noch vor zwei bis drei Jahren.
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