Nicht einmal in meinen schlimmsten Träumen hätte ich mir eine traurigere Art und Weise vorstellen können, ein neues Jahr zu beginnen. Als ich mich das letzte Mal auf diesen Seiten an unsere Leserschaft wandte, brachte ich meine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich die Schwierigkeiten und Probleme, die in letzter Zeit um das Spixara-Projekt aufgetaucht waren, aus dem Wege räumen lassen. Leider war dem nicht so. Wie man bei einem Eisberg nur die Spitze aus der Wasseroberfläche ragen sieht, so schienen auch diese Probleme nur geringfügig; die kürzlichen Ereignisse und Rückschläge in diesem Projekt brachten jedoch eine Reihe schwerwiegender Probleme in der Struktur des CPRAA (Ständiger Ausschuss zur Wiederherstellung des Spixaras) an den Tag. Manch einer war vielleicht überrascht von der Entstehung all dieser Konflikte; was mich anbetrifft, so war dies keine Überraschung, sondern eine Bestätigung meiner Befürchtungen, die ich schon längere Zeit zum Ausdruck gebracht habe.
Verantwortlich für den allmählichen Verlust der Integrität des Komitees sind mehrere Faktoren: die mangelhafte Kooperationsbereitschaft einiger Komiteemitglieder, ihre Weigerung, den Besitzanspruch an den Tieren an die brasilianische Regierung zurückzugeben, das einseitige Fällen von Entscheidungen, der Verkauf von Tieren an Dritte bzw. Nicht-Mitglieder des Komitees, etc. All diese Probleme, die der Stabilität des CPRAA zusetzten, führten zu einer außerplanmäßigen Konferenz, die Ende Februar 2001 in Brasilien stattfand. Ich muss sagen, dass mir die Art und Weise, in der die Komiteemitglieder ihre Differenzen austrugen, äußerst unangenehm und wenig konstruktiv erschien, insbesondere wenn man sich die Hingabe, die Hoffnungen und die finanziellen Mittel ins Gedächtnis ruft, die zuerst der Loro Parque und dann später die Fundación elf Jahre lang in dieses Projekt investiert haben. Das Resultat dieser Auseinandersetzungen bestand in der Auflösung des Ständigen Ausschusses durch die Umweltbehörde IBAMA, um demnächst eine neue Struktur zu schaffen, in der andere Richtlinien gelten sollen.
Diese Ereignisse haben uns sehr traurig gestimmt und waren für uns eine bittere Enttäuschung. Trotzdem führen wir unsere Arbeit fort; die Natur ist so überaus wichtig, dass ihre Erhaltung durch die Engstirnigkeit einer Handvoll Menschen nicht gefährdet werden kann. Seit unserer Rückkehr von Brasilien haben wir Kontakte geknüpft, um zu versuchen, diese Situation zu klären. In dieser Ausgabe können Sie unsere detaillierte Stellungnahme zu dieser Krise lesen.
Glücklicherweise gibt es im Leben nicht nur schlechte, sondern auch positive Momente, die uns mit Optimismus anfüllen. In dieser Ausgabe von Cyanopsitta kündigen wir erstmalig ein Ereignis an, welches die Herzen der Papageienliebhaber höher schlagen lässt: den V. Internationalen Papageienkongress. Diejenigen, die schon während der letzten Kongresse Erfahrungen und Informationen mit uns austauschen konnten, wissen dieses wunderbare und hochinteressante Ereignis zu schätzen; und jene, die noch nie daran teilgenommen haben, haben im September 2002 die Chance, Kenntnisse und Erfahrungen über Papageien mit Gleichgesinnten zu teilen. Wir arbeiten bereits an der Erstellung des Mottos für diesen Kongress sowie an den Themen, die in den Vorträgen behandelt werden sollen bzw. der Auswahl der einzelnen Sprecher. Ich bin sicher, dass auch der nächste Internationale Papageienkongress ein voller Erfolg werden wird.
Wolfgang Kiessling
In Antwort auf die ernüchternde Entwicklung, die das Spixara-Schutzprojekt seit der letzten Sitzung in Houston (September 1999) erlebt hat, rief die brasilianische Regierung das Permanente Komitee zur Rettung des Spixaras (CPRAA) zu einer außergewöhnlichen Sitzung am 19. und 20. Februar 2001 in Brasilia zusammen. Die Loro Parque Fundación war vertreten durch ihren Präsidenten, Wolfgang Kiessling, und ihren Direktor, Yves de Soye. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den CPRAA-Mitgliedern veranlassten die Umweltbehörde der Regierung (IBAMA), das Komitee zu erneuern. IBAMA wird in den kommenden Monaten eine neue Struktur und neue Richtlinien erstellen, die für das Erhaltungsprogramm wegweisend sein werden.
Wie in der letzten Ausgabe von Cyanopsitta kurz berichtet, rief die brasilianische Regierung das CPRAA aus verschiedenen Gründen zu einer außergewöhnlichen Sitzung zusammen. In erster Linie, da der wichtigste private Halter von Spixaras, Antonio de Dios (Birds International Inc., Philippinen), ohne Einverständnis des Komitees vier Vögel an eine von Sheikh Saud Al-Thani erbaute Zuchtstation in Qatar gesandt hatte. Dies geschah nur wenige Monate nach der letzten Sitzung in Houston (USA). Zu dieser Zeit wurden Spixaras auch in Europa und den USA offen zum Verkauf angeboten. Wiederholte Anfragen seitens IBAMA an die Koordinatorin des Spixara-Zuchtprogrammes, Natasha Schischakin, die über den Transfer informiert war und die Anlage von Sheikh Al-Thani besichtigt hatte, blieben unbeantwortet. Weiterhin wurde festgestellt, dass die 5 Vögel, die von Antonio de Dios für ein Ausbürgerungsprogramm zur Verfügung gestellt werden sollten, jedoch nie nach Brasilien geschickt wurden, mittlerweile zu alt für die Freilassung seien.
Es ist wichtig festzuhalten, dass erst auf der Sitzung in Houston im September 1999 der Zuchtbestand in menschlicher Obhut für ausreichend groß befunden wurde, um zum ersten Mal die Ausbürgerung von Nachzuchten zu ermöglichen. Dies bedeutet auch gleichzeitig, dass die privaten Besitzer im September 1999 zum ersten Mal Forderungen entgegengesehen haben, einen Teil ihrer Vögel für Freilassungsprogramme in Brasilien zur Verfügung zu stellen. Es scheint nunmehr, dass zumindest Herr de Dios beschlossen hat, sich von der Aufsicht durch das Komitee zu lösen. Auf der Sitzung in Brasilia schlug sein Repräsentant Friedrich Janeczek vor, das Management der Vögel durch die Halter unabhängiger zu gestalten und sie berechtigt werden sollten, ihre Vögel an neue Zuchtzentren zu verteilen. Eine Mindestzahl von 10 solchen Zuchtzentren mit einem Minimum von jeweils vier Zuchtpaaren wurde vorgeschlagen. Unserer Meinung nach würde ein solcher Plan den Haltern erlauben, eine grosse Zahl ihrer Vögel an private Halter ihrer Wahl zu verkaufen, mit dem entsprechenden finanziellen Gewinn. Es scheint unannehmbar, dass Spixaras an eine beliebige Gruppe von Züchtern verkauft werden, die keinerlei Verpflichtung sehen, die Rettung der Art als ihre oberste Priorität anzusehen.
Das CPRAA wurde von Roland Messer - der im Jahre 1999 Mitglied des Komitees wurde, nachdem er 15 der 20 sich angeblich im Besitz von Joseph Hämmerli in der Schweiz befindlichen Spixaras erstanden hatte - informiert, dass die restlichen Vögel an zwei weitere Halter verkauft wurden: Adolf Indermauer und Herr Itten. Beide haben sich einer Zusammenarbeit mit dem CPRAA verweigert.
Das CPRAA stellte weiterhin klar, dass der Transfer der vier Spixaras von den Philippinen nach Qatar eine Verletzung des Abkommens war, das zwischen Herr de Dios und der brasilianischen Regierung unterzeichnet wurde. Das Komitee sah sich gezwungen, eine Bewerbung von Sheikh Al-Thani, Komiteemitglied zu werden, zu diskutieren, und ob und unter welchen Bedingungen diese akzeptiert werden sollte. Mehrere Parteien, einschliesslich der Vertreter der brasilianischen Regierung, bevorzugten eine Lösung, die eine Rückgabe des Eigentums der vier Vögel an die brasilianische Regierung forderte. Herr Janeczek und Frau Schischakin jedoch argumentierten, dass Sheikh Al-Thani ohne Bedingungen in das Komitee aufgenommen werden sollte, da eine solche Lösung für die anderen Spixara-Besitzer einen unannehmbaren Präzedenzfall darstellte. Dieser Streitpunkt sowie das autonome Verhalten von Herr de Dios brachte die Vertreter von IBAMA zu der Entscheidung, dass das Erhaltungskomitee erneuert und umstrukturiert werden muss.
Der weltweite vom Komitee kontrollierte Zuchtbestand ist nunmehr in einer solchen kritischen Situation, dass es unannehmbar ist, dass fortpflanzungsfähige Weibchen ohne Partner verbleiben. Insbesondere, da das in der LPF-Zuchtstation gehaltene alle Weibchen sich dem Ende seiner Zuchtfähigkeit zu nähern scheint. Die LPF-Vertreter untermauerten auf der letzten Sitzung des Komitees mittels einer detaillierten Vorstellung der medizinischen Untersuchungen, dass der kürzliche Tod des in ihrer Anlage gehaltenen alten Männchens Ergebnis eines natürlichen Alterungsprozesses war.
Die Loro Parque Fundación hat über die Jahre über 600.000 US$ an das Spixara- Erhaltungsprogramm gesandt und dieses Projekt als ihr wichtigstes Projekt angesehen. Der Spixara ist auch das Logo der Stiftung. Die LPF hat sich völlig mit dem Projekt identifiziert, hat das Eigentum ihrer Vögel an die brasilianische Regierung zurückgegeben, während vieler Jahre Ratschlag und Geldmittel beigetragen und stets ehrlich und in gutem Glauben gehandelt. Dieses Engagement wurde leider auf der letzten Sitzung missachtet. Die LPF Vertreter fühlten sich vor allem von Frau Schischakin unfair und unhöflich behandelt, und kehrten von der Sitzung verletzt und gedemütigt wieder.
Aus all diesen Gründen überdenkt die Loro Parque Fundación ihre Haltung grundsätzlich. Sollte das Erhaltungskomitee nicht wesentlich reformiert werden und Transparenz, Fairness und das Befolgen von Regeln Einzug halten, wird die Stiftung nicht weiter mitarbeiten. Die Loro Parque Fundación erwartet daher die neue Struktur, die von IBAMA ausgearbeitet wird, sowie die Empfehlungen zu Vogeltransfers, um neue Zuchtpaare zu etablieren.
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