Das Spixara-Erhaltungsschutzprogramm - Ein Rückblick. Ein Vortrag von Tony Juniper am 20. September 2002 beim V. Internationalen Papageienkongress auf Tenerife



Zusammenfassung


Das Erhaltungsschutzprogramm für den stark gefährdeten Spixara verdeutlicht die vielen Herausforderungen, die damit verbunden sind, eine Papageienart vor dem Aussterben zu bewahren. Obwohl die Bemühungen zur Rettung des Spixaras bemerkenswerte Ergebnisse hervorhrachte, gab es auch bittere Enttäuschungen. Jetzt, wo der Spixara als in der Natur ausgestorben gilt, sieht er einer unsicheren Zukunft entgegen. Die bisher gesammelten Erfahrungen können und müssen darauf verwendet werden, einen Weg für das zukünftige Uberleben dieser Art zu finden. Die Interpretationen und Schlussfolgerungen dieses Vortrags beruhen auf den persönlichen Meinungen des Autors.

Einleitung


Das erste Exemplar eines Spixaras (Cyanopsitta spixii) wurde 1819 von Dr. Johan Baptist Ritter von Spix an den Ufern des Rio São Francisco ausfindig gemacht. Diese Region, die sogenannte Caatinga, zeichnet sich aus durch trockenes Dornen- und Kaktusgewächs. Am selben Ort, wo dieses Exemplar gefunden wurde, wachsen vorwiegend Galeriewälder am Rande von zu bestimmten Jahreszeiten überfluteten Bächen. Trotz seiner offensichtlichen Verwandschaft mit anderen blauen Aras erkannte von Spix nicht, daß er eine der Wissenschaft noch unbekannte Art gefunden hatte.

1832 erkannte von Spix' Assistant, Johann Wagler, ein Professor der Zoologie an der Universität von München, dass der von Spix' entdeckte Vogel, dem er den Namen Arara hyacinthinus2 gegeben hatte, tatsächlich eine neue Art war. Zu Ehren seines Entdeckers nannte er den Papageien um in Sittace Spix. Wagler stellte fest, daß besagter Vogel kleiner als der schon bekannte Hyazinthara und außerdem von unterschiedlicher Farbe war. Sein Kopfgefieder war gräulich, die Gesichtshaut schwarz im Vergleich zu den gelben Gesichtsstellen des Hyazintharas, und sein Schnabel kleiner und weniger kräftig als jener des Hyazintharas und seiner Verwandten. Etwas später, um 1850, schlug der Naturalist Prinz Charles Bonaparte vor, die neu entdeckte Papageienart einer neuen, monotypischen Gattung zuzuweisen - Cyanopsitta.

Obwohl die neue Art benannt, beschrieben und klassifiziert wurde, waren äußerst wenige Informationen über ihre Gewohnheiten, ihre Verbreitung oder ihren Status bekannt. Eine zweite Sichtung dieser Art in der freien Natur geschah in der Tat erst 80 Jahre nach der Entdeckung durch von Spix. Im Juni 1903 sichtete Othmar Reiser einige Exemplare während einer Expedition der österreichischen Akademie für Wissenschaften in den Nordosten Brasiliens.

Er schrieb: "Da ich wusste, dass von Spix diesen seltenen und schönen Vogel in der Gegend des Francisco River bei Joazeiro entdeckt hatte, hielt ich in der beschriebenen Region Ausschau nach ihm. Leider ohne Erfolg. Sämtliche Befragungen der einheimischen Bevölkerung verliefen ebenfalls ergebnislos''3. Schliesslich wurden Reiser und seine Kollegen am See bei Parnaguá im Staate Piauí, über 400 km westlich von Juàzeiro, für ihre Mühen belohnt, und sichteten einmal drei Tiere und ein anderes Mal ein Pärchen.

Den nächsten Bericht über die Art in Brasilien lieferte Kaempfer 1927. Er begleitete eine Suchaktion nach Spixaras am nördlichen Ufer des Rio São Francisco bei Juàzeiro und schrieb dass "alle Befragungen über den von Spix' vor über 100 Jahren entdeckten Cyanopsitta spixii ergebnislos waren, keiner wusste irgend etwas über einen solchen Papageien". Es gelang ihm jedoch, an der Bahnstation von Juàzeiro ein Exemplar auszumachen. Es handelte sich dabei um ein in Gefangenschaft lebendes Tier

Weitere Sichtungen wilder Spixaras fanden nur selten und vereinzelt statt. Mehrere Sammler und Zoos versuchten jedoch, Spixaras für ihre Kollektion zu bekommen. Außer den Tieren, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts auftauchten, wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts weitere lebende Tiere von Brasilien in zahlreiche Länder exportiert. Einige davon gelangten in die Vereinigten Staaten. So lebte z.B. ein Exemplar ab 1928 ca. zwanzig Jahre lang im Chicago Zoo. Andere endeten in Grossbritannien und wurden von verschiedenen Privatsammlern und Zoos gehalten, wie z.B. Paignton in Devon und Mossley Hill in Liverpool. Insgesamt befanden sich in den dreißiger Jahren sieben Tiere in Grossbritannien. Mindestens ein Spixara befand sich gegen Ende, der sechziger Jahre in der Provinz Ulster (Nordirland); eine Aufnahme von den Rufen dieses Tieres befindet sich in der British Library of Wildlife Sounds. Außerdem wurden Spixaras im Rotterdam Zoo in Holland und auch in Deutschland gehalten. Ein Exemplar befand sich um 1920 eine Zeitlang im Zoo von Wien, und mindestens ein Paar wurde von Portugal nach Paraguay exportiert (4).

Auch in Brasilien selbst wurden Spixaras an Privatsammler geliefert, und mindestens einem gelang die Zucht dieser Art. Während der fünfziger Jahre gründete ein Papageiensammler namens Alvaro Carvalhäes einen Zuchtbestand von vier Paaren, die insgesamt 20 Jungtiere produzierten (5). Eines dieser Jungtiere gelangte später in den Zoo von Neapel.

Obwohl in den Siebzigern ganz offensichtlich immer mehr wilde Spixaras aus Brasilien exportiert wurden, um die internationale Nachfrage aus den Züchterkreisen zu befriedigen, nahm die Offenheit, mit der sich die Sammler zu Besitzern solch seltener Kreaturen bekannten, Ende der sechziger Jahre drastisch ab. 1967 (6) untersagte Brasilien den Export von Wildtieren aus dem Land und 1975 wurde der internationale Handel mit dem Spixara gemäß den Bestimmungen der ,Convention on the International Trade in Endangered Species' (CITES) verboten. Ab 1. Juli besagten Jahres galt jeglicher internationaler Handel mit Spixaras zwischen den Ländern, welche die Besümmungen ratifiziert hatten, als illegal.

Eine stark gefährdete Tierart


Anfang der siebziger Jahre stand fest, daß der Spixara sehr selten und möglicherweise gefährdet war. Es gab jedoch wenige genaue Angaben über seinen tatsächlichen Status7.

1974 sichteten Helmut Sick, einer der führenden Ornithologen Brasiliens, und sein Assistent Dante Teixera flüchtig einige Spixaras bei Formosa do Rio Prëto, einer kleinen Stadt über 500 km westlich von Juäzeiro am Prêto, einem Nebenfluss des São Francisco, im Nordwesten des Staates Bahia. Sick registrierte dort zwei Gruppen, eine von drei und eine von vier Aras, die über Buriti-Palmen (Mauritia flexuosa)8 kreisten. Sick und einige andere Ornithologen glaubten, dass Spixaras, wie auch andere blaue Aras, sich von Palmnüssen ernährten, und gingen basierend auf ihren Beobachtungen davon aus, daß die Aras die Früchte der Buriti-Palmen bevorzugten.

Drei Jahre später begab sich Sick erneut ins Feld, um nach den scheuen blauen Vögeln zu suchen. Diesmal mit dem amerikanischen Ornithologen Robert Ridgely. Die beiden Wissenschaftler sammelten Informationen, die das mögliche Verbreitungsgebiet des Spixaras auf den nordöstlichen Teil des Staates Goiäs und den südlichen Teil Maranhãos ausdehnten. Verglich man diese Informationen mit angeblichen Sichtungen anderer angesehener Omithologen im Staate Piauí, so erstreckte sich das Verbreitungsgebiet des Spixaras möglicherweise über ein weitläufiges Gebiet im trockenen Landesinneren.

Trotz des enormen Gebietes, in dem der Vogel anscheinend lebte, verleiteten die wenigen, bestätigten Beobachtungen von Spixaras Ridgely zur Annahme, daß das Tier eine Seltenheit war. Er schrieb, dass es sich beim Spixara um eine "kaum bekannte Art handelt, deren Bestände wahrscheinlich schon immer gering waren; es gibt weder Beweise für eine in letzter Zeit stattgefundene Dezimierung der Populationen noch für eine Verkleinerung des Lebensraumes, jedoch würde sich eine eingehende Studie über die aktuelle Situation des Spixaras lohnen". Des Weiteren schrieb er, bedeutungsvollerweise, wie sich später herausstellen sollte, dass die Art "anfällig für Übergriffe durch Vogelfänger" sei (9).

Paul Roth, ein schweizer Ornithologe, der in der Biologiefakultät der Universität von Maranhão in São Luis in Brasilien arbeitete, beschloss, eine solche detaillierte Studie durchzuführen. Er erhielt einen bescheidenen Betrag vom International Council for Bird Preservation (ICBP), einer Vereinigung mehrerer internationaler Vogelschutzgruppen mit Sitz in Cambridge, England (10), zur Finanzierung seines Vorhabens.

Im Juni 1985 begab sich Roth auf die erste von insgesamt fünf Expeditionen - die letzte sollte im Jahre 1988 enden - um Status und Verbreitung des Spixaras zu bestimmen.

Roth machte sich die bereits registrierten Sichtungen zunutze, und identifizierte ein potentielles Suchareal von ca. 300.000 km², ein Gebiet welches etwas grösser war als Grossbritannien und lrland zusammen. Innerhalb dieses Territoriums konzentrierte er sich auf die drei Hauptgebiete, wo der Spixara schon beobachtet worden war: das Gebiet um Gerais (jener Teil des Landesinneren, wo die Staaten Bahia, Goiás, Piauí und Maranhão aufeinander treffen), der Süden Maranhãos und die benachbarten Gebiete Piauí sowie entlang der Flussufer des São Francisco im Norden Bahias.

Roth suchte all diese Zonen ab, wobei er einige von ihnen mehrmals durchkämmte, fand jedoch nur in einer davon einschlägige Beweise für die Existenz des Spixaras. Bei seiner Suche in Maranhão wies ihn ein Trapper nach Curaçá, eine kleine Stadt ca. 80 km nordöstlich von Juàzeiro, in der Nähe jenes Ortes, wo von Spix damals sein erstes Exemplar eingesammelt hatte. Der Fallensteller sagte, es befänden sich fünf Spixaras in dieser Gegend.

Im April 1986 machte sich Roth auf, um die Information des Trappers zu überprüfen. Tatsächlich stellte er fest, dass sich dort Spixaras befanden, jedoch traf er nur auf ein Pärchen und ein Einzeltier; die anderen beiden Exemplare waren schon gewildert worden (11). Die Tiere wurden in einem Galeriewald gesichtet, der an einen der vielen, saisonabhängigen Wasserläufe grenzte, die das sonst trockene Land während der Regenzeit durchspülen.

Roth gewann wichtige Erkenntnisse über den Lebensraum der Vögel. Eine der auffälligsten bestand in der Tatsache, dass sich die Spixaras bevorzugt auf den grossen Bäumen entlang der Bachläufe aufhielten. In jenem bestimmten kleinen Waldgebiet, wo sich die drei Exemplare aufhielten, bekannt als Melância Creek, stellte er fest, daß die Papageien einige der größeren Caraiaba-Bäume als Nistplätze und Aussichtspunkte bevorzugten (12).

Roth fand heraus, dass die Tiere bestimmten Gewohnheiten folgten, und bestimmte Baumhöhlen zum Nisten bzw. Orte zum Schlafen benutzten. Er beobachtete, dass die Aras grosse Mengen an Nahrung auf den Bäumen entlang der Bäche fanden, wo feuchtere Bedingungen herrschten als in den umliegenden Gebieten, wo vorwiegend dornige Kaktusgewächse vorzufinden waren. Ebenso erfuhr er von den Einheimischen, dass afrikanische Bienen, die nach Brasilien importiert worden waren, ein Problem für die Spixaras darstellten. Diese äußerst agressive Insektenart hatte erst kürzlich den Nordosten Brasiliens kolonisiert und tötete angeblich die Jungtiere in den Nesthöhlen der Aras.

Es stellte sich des Weiteren heraus, dass der Spixara, wie viele andere Vögel oder Tiere, schon Bekanntschaft mit dem Kochtopf gemacht hatte, und früher abgeschossen wurde, um den Einheimischen als Nahrung zu dienen. Die eigentliche Gefahr jedoch stellten die Fänger dar. Um die Spixaras, die er ausfindig gemacht hatte, zu schützen, heuerte Roth einige Einheimische an, welche die Tiere bewachen sollten und setzte seine Suche nach weiteren Exemplaren fort.

Roth begab sich auf mehrere umfangreiche Expeditionen durch den Nordosten Brasiliens und suchte Orte ab, die ihm von Fallenstellern, Farmern und Ornithologen angegeben worden waren. Er fand jedoch keine weitere Spur der Tiere.

Er kehrte im Mai 1987 in den Melância Creek zurück, um seine Wächter zu bezahlen. Von den drei Spixaras waren in der Zwischenzeit nur noch zwei übrig, denn einen Monat vor seiner Rückkehr war ein weiteres Tier gefangen worden. Dies bedeutete, dass es sich bei den letzten, in der Natur lebenden Exemplaren, um deren Existenz man wußte, lediglich um ein einziges Pärchen handelte.

Etwas später im selben Jahr, an Weihnachten 1987, erfuhr Roth, dass ein Fänger an den Ort zurückgekehrt sei, um einen weiteren Vogel zu fangen, und somit nur noch eines von den drei letzten Tieren übrig war Im Januar 1988 teilte man Roth mit, dass auch das letzte Exemplar von den Fallenstellern gefangen worden war.

Der Verlust dieser letzten, winzigen Population erregte in Artenschutzkreisen ernste Besorgnis, obwohl letztendlich noch nicht bewiesen war, daß die Papageienart in der Natur ausgestorben war. Berichten zufolge fanden sogar weitere wilde Spixaras ihren Weg aus Brasilien. In einem dieser Berichte informierte der Naturphotograph Luiz Claudio Marigo die ICBP darüber, dass die Aras sich weiterhin in der Region um Gerais aufhielten in einer Hügellandschaft namens Chapeda das Mangabeiras. Die ICBP beschloss, eine Expedition in besagtes Gebiet zu finanzieren, die zwischen Juni und Juli 1990 stattfinden sollte.

Man begab sich auf eine lange Suche, jedoch wurden keine Vögel in jenem Gebiet lokalisiert; es gab auch keine Hinweise auf ein kürzliches Vorkommen der Tiere in dieser Zone. Ein Vogelhändler riet dem Team jedoch, weiter östlich zu suchen - in der Region Curaçás. Da diese beiden Gebiete die einzigen, noch existierenden, Zonen geeigneten Lebensraumes waren, ging man davon aus, dass das Einzeltier vom Melância Creek wahrscheinlich das letzte wilde Exemplar dieser Art repräsentierte. Die Forscher, die diesen Vogel lokalisiert hatten, waren der Ansicht, dass es sich bei den angeblichen Beobachtungen von Tieren dieser Art im weitläufigen nordöstlichen Teil des Landesinneren um Fehlinformationen handelte - ebenso wie ihre angenommene Spezialisierung auf die Buriti-Palme. Allem Anschein nach handelte es sich bei diesem Vogel um eine Art, die auf einen sehr kleinen, spezifischen Lebensraum spezialisiert war (13).

Die Fallensteller waren eindeutig der Hauptgrund für das Verschwinden des sehr kleinen Bestandes des Spixaras, der einst um Curaçá herum lebte, und der in den siebziger Jahren ungefähr 60 Tiere betragen haben mag (14). Es gibt jedoch auch langfristige Gründe für den Untergang des Spixaras - insbesondere die über Jahrhunderte hinweg andauernde Vernichtung seines einzigartigen Lebensraumes.

Der São Francisco war einer der wichtigsten Transportwege für die koloniale Ausbeutung im Innern Brasiliens. An seinen Mittelläufen um Juàzeiro herum entstanden Farmen, und Städte und riesige Landgüter wurden gegründet. Das Land veränderte sich allmählich während des 17. Jahrhunderts, da immer mehr Siedler kamen. Die grösseren Bäume wurden gefällt,, um Holz für den Bau von Häusern und Booten zu erhalten, während in jenen Gebieten, wo der Boden fruchtbar war - z. B. in der Region um Curaçá - verschiedene Produkte angebaut wurden. Der Schwerpunkt lag jedoch auf der Rinderzucht, so daß Anfang des 18. Jahrhunderts schon einige grosse Ranches in Betrieb waren. Um geeignetes Weideland zu bekommen, benutzten die Siedler Feuer.

Über hundert Jahre intensiver Brandrodung, Abholzung und Überweidung war dem Besuch von Spix' und Martius' Anfang des 19. Jahrhunderts vorausgegangen. In welcher Verfassung die speziellen Gebiete um die 'Creeks' (Flußläufe) damals gewesen sein mussten, können wir uns nur vorstellen, jedoch muss ihr Verfall angesichts ihrer seltenen Wasservorräte, der hohen Bäume, die abgeholzt wurden, und ihrer reichen Böden, die zur Landwirtschaft genutzt wurden, schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht fortgeschritten gewesen sein. Roth glaubte, dass die bewaldeten Flussläufe sich einst 50 km weit in die Caatinga an beiden Seiten des São Francisco erstreckten, und ein bedeutendes Gebiet entlang seiner Mittelläufe einnahm. Als 1990 der letzte wilde Spixara gefunden wurde, waren nur zwei kleine Flächen solcher bewaldeten Flussläufe übrig, alles andere war vernichtet worden.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts lastete ein weiterer Druck auf den lokalen Ökosystemen. In den fünfziger Jahren finanzierte die Weltbank umfassende Projekte, welche die Wasserversorgung regeln sollten. Zu diesem Zeitpunkt wies das Tal um den São Francisco die für die meisten Gebiete Brasiliens typischen Landnutzungs-Muster auf: riesige Landgüter und Plantagen, die von den wohlhabenden Landbesitzern geleitet wurden, während der Grossteil der Bevölkerung in extrem armen Verhältnissen lebte, und als Arbeiter, Pächter oder illegale Siedler ihren Lebensunterhalt verdiente. Die Einführung des Bewässerungssystems kündigte den grossflächigen Anbau von Zuckerrohr, Soja und Mals an.

1974 finanzierte die Weltbank den Sobradinho-Damm. Das Reservoir, das oberhalb des Staudammes 50 km flußaufwärts von Juàzeiro und Petrolina entstand, überflutete weitreichende Täler des São Francisco, einschliesslich sämtlichen potentiellen Lebensräumen des Spixaras, die sich dort wahrscheinlich befanden. Etwas später sollte der Druck auf das Land, der durch die Folgen der Landwirtschaft und der Wasserkraft entstanden war, durch die Erschliessung von Öl,- Gas und Kohlevorkommen noch zunehmen (15).

Somit scheint der Spixara nicht nur das Opfer einer langfristigen Habitatszerstörung geworden zu sein, sondern auch einer noch nicht allzu lange betriebenen, keinesfalls nachhaltigen Ausbeutung der Tiere selbst, um die weltweit immer höher werdende Nachfrage nach seltenen Vogelarten zu befriedigen. In der Natur bereits ausgestorben, stand 1990 fest, dass diese Papageienart nur mit Hilfe des geringen Bestandes von in Menschenobhut lebenden Tieren gerettet werden kann.

Das offizielle Programm zur Rettung des Spixaras


Bevor der Status des Spixaras in der Natur feststand, gab es bereits Bemühungen zur Erstellung eines Programms zur Rettung des Aras. Der erste ernsthafte Versuch, ein solches Programm zu Wege zu bringen, erfolgte im August 1987 im Loro Parque auf Teneriffa. Zum damaligen Zeitpunkt wusste man von 12 Tieren in Menschenobhut außerhalb Brasiliens, sowie weiteren 12 im Land selbst - insgesamt also 24. Es kursierten jedoch Gerüchte um die Existenz von ungefähr 19 weiteren Tieren, die letztendlich nicht bestätigt werden konnten.

Obwohl das Treffen hilfreiche Unterstützung dahingehend leistete, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die offensichtlich verzweifelte Situation des Spixaras zu lenken, lieferte es nicht die nötigen Voraussetzungen, um den Spixara zu retten. Dies lag hauptsächlich daran, daß zu wenige der Privathalter der betroffenen Vögel anwesend waren (Wolfgang Kiessling, Besitzer des Loro Parque, war der einzige anwesende Besitzer). Außerdem nahmen keinerlei Vertreter der brasilianischen Regierung daran teil.

In den darauffolgenden Monaten fand eine Reihe weiterer Treffen statt. Diesmal waren mehrere Kombinationen verschiedener lnteressenparteien anwesend, einschliesslich der brasilianischen Regierung, wissenschaftlicher Experten, internationaler Organisationen wie CITES und TRAFFIC, sowie die Besitzer der Spixaras. Die damals stattfindenden Diskussionen führten zur Gründung einer Arbeitsgruppe für das Management der Spixaras. Diese Arbeitsgruppe schlug ihrerseits die Erstellung eines Ständigen Ausschusses zur Rettung des Spixaras vor 16, 17. Das Komitee tagte erstmals im Juli 1990 - zufälligerweise war dies genau der Zeitpunkt, an welchem das Team der ICBP zuvor bestimmt hatte, daß jenes Einzeltier, das sie im Melância Creek entdeckt hatten, das letzte, freilebende Exemplar dieser Art war.

Die Ziele des Komitees waren es, Informationen über den Spixara in der Natur zusammenzustellen, sein historisches Verbreitungsgebiet zu identifizieren, das Geschlecht der in Menschenobhut lebenden Tiere festzustellen sowie ein Zuchtbuch und einen Management-Plan zu erstellen, um das Überleben der Art zu sichern. Dieser Management-Plan beinhaltete u.a. die Festlegung grundlegender Maßnahmen für die Zucht des Spixaras, sowie die Gewinnung veterinärmedizinischer und die Fortpflanzung betreffender Daten, um die Produktivität der Tiere anzuheben. Während des ersten Treffens wurden auch jene Zuchtanlagen, die über ausreichend ausgestattete Einrichtungen verfügten, identifiziert, und einige Transfers von Vögeln unter bestimmten Besitzern empfohlen.

Zu jenem Zeitpunkt wußte man von ca. 15 Tiefen in Menschenobhut. Einige von jenen Exemplaren, von denen man Jahre zuvor angenommen hatte, dass sie existierten, waren nicht aufgetaucht, andere bereits verstorben. Von den Mitte 1990 bekannten 15 Tieren lebten sechs in Brasilien: eines in Säo Paulo bei einem Privatzüchter namens Nelson Kawall, ein weiteres in Recife im Nordosten in der Anlage Mauricio dos Santos', und vier weitere im Zoo von São Paulo. Die restlichen Exemplare waren überall verstreut; zwei befanden sich im Loro Parque auf Teneriffa, sechs weitere auf den Philippinen in der Zuchtanlage 'Birds International' von Antonio de Dios. Ein letztes Exemplar lebte im Vogelpark Walsrode in Deutschland (18).

Im Oktober 1990 forderte die brasilianische Regierung alle weiteren Besitzer von Spixaras auf, mit dem Komitee zu kooperieren, und versprach ihnen, dass ihre Tiere nicht konfisziert würden. Diese Amnestie erfolgte zeitgleich mit dem Auftauchen weiterer Spixaras in der Schweiz. Es handelte sich um drei Vögel, die zur Sammlung eines schweizer Privatzüchters gehörten: Joseph Hämmerli.

Im Verlauf des Jahres 1990 wurden die meisten Spixaras nach mehreren vorangehenden mißlungenen Versuchen medizinisch untersucht, um festzustellen, ob es sich dabei um weibliche oder männliche Tiere handelte. Die Tatsache, dass an diesem Punkt sogar diese grundliegende und wichtige Information nicht zur Verfügung stand, war ein Hinweis dafür, wie weit doch die noch im Anfangsstadium befindlichen Bemühungen zur Rettung des Spixaras davon entfernt waren, Wirkung zu zeigen.

Massnahmen zur Erhaltung - in der Natur und in Menschenobhut


In der Natur:

Bis 1990 war man davon ausgegangen, dass der natürliche Lebensraum des Spixaras ein weitreichendes Gebiet bis ins Landesinnere Brasiliens umfasste, das mehrere verschiedene Habitat-Typen, einschliesslich der Buriti-Palmensümpfe, dem ,Cerrado' und der trockenen Caatinga vereinte. Nach der Expedition der ICBP glaubte man nun, dass es sich beim Spixara um eine auf die sterbenden Galeriewälder spezialisierte Art handelte. Somit war klar, dass jegliche ernsthafte Auswilderungsversuche auch Maßnahmen zum Schutz dieses Habitats beinhalten müssten. Dies war somit ein Grund mehr, sowohl in den Galeriewäldem der Caatinga, als auch bei den einzelnen in Menschenobhut lebenden Tieren mit Schutzmassnahmen für die Rettung der Art zu beginnen.

Daher wurde kurz nach der Sichtung des letzten wilden Exemplars ein Feldspezialist damit beauftragt, vor Ort zu arbeiten und die Menschen für das Projekt zu gewinnen, um nebenher Informationen über das letzte Einzeltier zu erfahren. Er sollte später Unterstützung von anderen Feldbiologen bekommen, die wichtige Pionierarbeit in jenem Waldgebiet, der Heimat des letzten freien Spixaras leisteten.

Als man den letzten Vogel im Melância Creek lokalisiert hatte, stand das Komitee vor der schwerwiegenden Entscheidung, einen Partner freizulassen, mit dem er sich verpaaren sollte. Einerseits bestand die Möglichkeit, daß das Tier von Raubtieren getötet oder eingefangen und die Art einen Schritt näher an das endgültige Aussterben gebracht würde, da nicht nur die Gefahr bestand, dass die Tiere in der Natur vollständig verloren gingen, sondern sich auch ihre Zahl weiter verringern könnte und dies möglicherweise fatale Folgen für das Überleben der Art hätte. Andererseits stellte man sich die Frage: Wenn das letzte Exemplar aus der Natur entnommen würde, worin bestünde dann noch der Sinn, die letzten, noch verbleibenden Waldzonen zu schützen? Mehr noch, welche Auswirkungen hätte dies auf die Unterstützung des Plans durch die Einheimischen? Und welche Aussichten hätten in Menschenobhut gezüchtete Jungtiere, die in eine fremde Welt ausgewildert würden, wo es keinen Artgenossen gab, der ihnen das Überleben beibringt?

Das letzte freilebende Tier wusste, wo in der Trockenzeit Wasser zu finden war, er wusste, welche Sämereien und Früchte zum Verzehr geeignet waren und wo sie wuchsen. Er wusste auch, wo Raubtiere auflauerten und von wo aus sie möglicherweise angreifen. Er repräsentierte einen wichtigen, kulturellen Rettungsanker, eine Verbindung zwischen den Vögeln in Menschenobhut und der Erkenntnis, dass es eines Tages eine erfolgreiche Auswilderung von Spixaras geben könnte, die dann ein Gebiet mit restaurierten und geschützten Galeriewäldern vorfinden und diese neu besiedeln würden.

Während eines technischen Treffens gegen Ende des Jahres 1992, also über zwei Jahre nach der Entdeckung des wilden Aras, hielt es das Komitee für das beste, diesen in der Natur zu belassen. Zusätzlich wurde dem Vorschlag der ICBP zugestimmt, ein Tier aus den Beständen in Menschenobhut auszuwählen und freizulassen, damit es einen Partner bekam. Wenn ein wildes Paar erfolgreich brütete, bestünde eine weitaus grössere Überlebenschance für den Spixara, wenn in Menschenobhut gezüchtete Tiere freigelassen und sich mit der kleinen Gruppe wilder Spixaras zusammenschließen würden. Bevor jedoch eines der unersetzlichen, aus der Zucht stammenden, Tiere freigelassen werden konnte, musste ein für alle Mal das Geschlecht des wilden Exemplars eindeutig festgelegt werden.

Es wurde angenommen, daß es sich bei dem letzten wilden Spixara um ein männliches Tier handelte. Um dies jedoch mit Gewissheit feststellen zu können, wurden Federn eingesammelt, die das Tier in der Mauser verloren hatte, und zur DNA-Analyse an die Universität von Oxford geschickt. Es dauerte einige Monate, bis das Ergebnis endlich vorlag, da zu diesem Zweck ein ganz neuer Test angewandt wurde. Bei dem letzten Exemplar handelte es sich tatsächlich um ein Männchen.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, das letzte freilebende Tier in der Natur zu belassen und einen Partner für ihn auszuwildern, wurden im Melância Creek entsprechende Maßnahmen zur Auswilderung getroffen. Ein weibliches Tier wurde für die Freilassung unter dem Zuchtbestand ausgewählt. Dieses Weibchen wurde 1987 aus der Natur gefangen und war wahrscheinlich der frühere-Partner des Männchens. Sie wurde zur Auswilderungsvoliere transportiert und für die Freilassung vorbereitet. Im März 1995 wurde sie schliesslich in die Natur zurückentlassen.

Im Anschluss an die Auswilderung machte sich allgemeine Spannung breit, da es keinesfalls sicher war, daß der wilde Spixara und das freigelassene Weibchen ein Paar bilden würden. Diese Unsicherheit wurde noch gesteigert durch die Tatsache. daß das wilde Männchen mit einem Rotrückenara ein hybrides Pärchen gebildet hatte (Propyrrhura macarana), einer kleineren Ara-Art, die ebenfalls in den lokalen Galeriewäldern vorkam - jedoch nicht auf sie beschränkt war - wo der letzte freie Spixara die meiste Zeit verbrachte. Dieses ungleiche Paar verband ein enges Verhältnis, und sie wurden häufig zusammen gesehen. Man entschied jedoch, dass es sicherer war, das Rotrückenara-Weibchen nicht zu fangen bzw. zu töten, damit der wilde Spixara nicht noch zusätzlich gestresst würde.

Das gemischte Pärchen und das ausgewilderte Weibchen wurden bald bei Ausflügen zu dritt beobachtet. Danach verbrachte der männliche Spixara immer mehr Zeit mit seinem weiblichen Artgenossen. Allem Anschein nach hatte das gewagte Experiment funktioniert, und ein wildes Pärchen war entstanden. Doch dann schlug das Schicksal zu - das Weibchen verschwand, nachdem es nur drei Monate in Freiheit gelebt hatte.

lhr Verbleib war vorerst nicht bekannt. Einige Jahre später jedoch behauptete ein einheimischer Cowboy, er habe den toten Körper eines Vogels bei einigen Hochspannungsleitungen gesehen, mit denen er offensichtlich kollidiert war. Das Männchen war also wieder allein, und man beschloss, keine weiteren wertvollen Zuchttiere für zukünftige Auswilderungsversuche zu verwenden.

Trotz dieses Rückschlages setzte das Feldteam im Melância Creek die Überwachung des letzten wilden Spixaras fort. Während der Brutsaison 1996-1997 machte das Team einige interessante Beobachtungen, und stellte fest, dass das hybride Pärchen sich vermehrt in der Umgebung einer Nisthöhle in einem der alten Caraibabäume aufhielt. Die Forscher vermuteten, dass sich darin ein Gelege befand. Sie inspizierten das Nest und entdeckten drei Eien. Mit der Zustimmung des Komitees traf das Feldteam die Entscheidung, das Gelege zu entfernen und dieses mit den Eiern eines benachbarten Rotrückenara-Nestes auszutauschen.

Man vermutete, dass die Eier des hybriden Paares unbefruchtet sein würden. Eine eingehende Untersuchung, die von Wissenschaftlern in São Paulo durchgeführt wurde, ergab jedoch, dass ein Ei tatsächlich einen Embryo entwickelt hatte. Dieser Embryo war bereits tot und höchstwahrscheinlich nicht überlebensfähig; er war jedoch sicherlich ein Hybrid - denn er wies die DNA eines Spixaras auf.

Auch wenn dieses einzigartige Paar keine überlebensfähigen oder fertilen Nachkommen produzieren konnte, oder es nach dem Urteil der Wissenschaftler zu risikoreich sei, ein hybrides Jungtier aufzuziehen, so könnte das Paar doch vielleicht wenigstens als Adoptiveltern für reinrassige Spixara-Junge eines in Menschenobhut lebenden Paares hinzugezogen werden. Möglicherweise könnten sie sogar aus der Zucht stammende Jungtiere in ihrem Nest aufziehen. Da sich nun nicht mehr viele Lösungen anboten, um weitere Tiere in die Natur auszuwildem, glaubten die Wissenschaftler, dass es einen Versuch wert sei.

Als erstes musste festgestellt werden, ob das ungleiche Paar überhaupt in der Lage war, fertile Spixara-Eier auszubrüten und deren Jungtiere aufzuziehen. Man wollte jedoch keine Spixara-Eier für dieses Experiment verwenden, da sie zu wertvoll waren. Konnten sie jedoch Rotrückenara-Eier ausbrüten und die Jungtiere großziehen, bedeutete dies, daß sie wahrscheinlich auch Spixara-Jungtiere aufziehen konnten.

Das hybride Pärchen akzeptierte die ausgetauschten Eier, die von einem benachbarten Rotrückenara-Nest entnommen wurden, und brüteten diese aus, jedoch wurden die Jungen von Raubtieren gefressen. Die Forscher mussten nun ein weiteres Jahr warten, bis das hybride Pärchen wieder zur Brut schreiten würde. Ein weiterer Versuch mit Eiern aus einem Rotrückenara-Nest wurde in der Saison 1997-1998 durchgeführt, scheiterte jedoch nochmals, als die Jungen wieder von einem Raubtier verzehrt wurden, möglicherweise einem Säugetier oder einer Schlange.

In der darauffolgenden Brutsaison machte das hybride Pärchen zwei Brutversuche. Der erste scheiterte. Im Dezember 1998 jedoch produzierte das Paar ein weiteres Gelege und die Forscher machten einen vierten Versuch, das Paar zur Aufzucht von Jungtieren zu bringen.

Dieses Mal wurden die Eier nicht wie zuvor mit jenen, aus dem benachbarten Rotrückenara-Nest stammenden Eiern ausgetauscht, sondern mit künstlichen Eiern aus Holz. Im Januar 1999, nach einer 23-tägigen 'Inkubations'zeit, nahmen die Forscher die hölzernen Eier aus dem Nest und ersetzten diese durch drei Tage alte Jungtiere. Im März begleiteten die Adoptiveltern bereits 'ihre' Jungen auf ihren ersten Flügen im Creek. Nach diesem Erfolg konnte nun ein weiteres Experiment in Betracht gezogen werden - der Austausch von Eiern des hybriden Paars mit echten Spixara-Eiern aus dem Zuchtbestand.

In der Zwischenzeit führte man jedoch ein anderes gewagtes Experiment durch, welches die Auswilderung von in Menschenobhut gezüchteten Rotrückenaras vorsah. Dieses Vorhaben war als Ansatz für zukünftige Auswilderungen von gezüchteten Spixaras konzipiert. Es wurde angenommen, dass die Herausforderungen bei einer Freilassung für beide Arten sehr ähnlich sein würden, dass dies jedoch zunächst mit der weniger gefährdeten Art ausprobiert werden sollte.

Die Loro Parque Fundación spendete für dieses Experiment Rotrückenaras, von denen einige mit der Hand aufgezogen worden waren. Diese wurden absichtlich ausgewählt, da die Ergebnisse darüber, wie sich diese Tiere in der freien Wildbahn adaptieren würden, für die Planung der bevorstehenden Phasen der Spixara-Auswilderung von wesentlicher Bedeutung waren; denn diese würde unvermeidlich auch die Freilassung von handaufgezogenen Tieren beinhalten.

lm November 1997 wurden 11 Rotrückenaras in die Auswilderungsvoliere im Melância Creek gebracht, die ursprünglich für das 1995 freigelassene Weibchen gebaut worden war. Um möglichst viele Informationen über die freizulassenden Tiere zu erhalten, wurden diese mit Radiosendern ausgestattet, um ihre täglichen Bewegungsmuster eingehender verfolgen und ihr Verhalten studieren zu können.

Über ein Jahr später, nachdem einige Schwierigkeiten bezüglich der Auswahl geeigneter Telemetrie-Ausrüstung aufgetreten waren, wurden die Rotrückenaras schliesslich ausgewildert. Die Idee bestand darin, nur einen der Partner, die zuvor feste Paare gebildet hatten, freizulassen, damit diese im Auswilderungsbereich blieben. Nahrung, Wasser und Nesthoxen waren in der Umgebung verteilt worden, um den neu ausgewilderten Tieren das Leben im Freiland zu erleichtern. Die Aras wurden genau überwacht und blieben, wie erhofft, im Bereich der Auswilderungsvoliere. Die andere Hälfte der Partner wurde im Januar 1999 ausgewildert.

Trotz einiger frühzeitiger Todesfälle überlebten sieben Rotrückenaras und adaptierten sich erfolgreich an die neuen, natürlichen Lebensbedingungen. Die Auswilderung war so erfolgreich, dass einige Aras sogar gleich nach ihrer Freilassung Brutversuche starteten. Im Loro Parque wäre die normale Brutzelt für die Tiere zwischen Februar / März bis Juli. In Curaçá findet die Brutsaison normalerweise im Dezember oder Januar statt. Die Tatsache, dass die ausgewilderten Rotrückenaras synchron mit der normalen Brutzelt ihrer wilden Artgenossen Brutversuche starteten, bewies, wie gut sie sich an die örtlichen Verhältnisse angepasst hatten.

Eine erfolgreiche Auswilderung handaufgezogener Tiere hatte somit stattgefunden. Die Ergebnisse dieser Auswilderung und jene des Experiments mit der Adoptivaufzucht konnten nunmehr herangezogen werden, um mehrere mögliche Strategien in Erwägung zu ziehen, einschliesslich der Freilassung junger Spixaras über das hybride Nest oder aus der Auswilderungsvoliere (19).

Ende 1999 fand ein Treffen des Komitees im Houston Zoo statt, in welchem der Züchter aus den Philippinen, Antonio de Dios, zustimmte, fünf junge Spixaras für eine Freilassung in den Galeriewäldern von Melância Creek bereitzustellen. Die Tiere sollten mit grösster Sorgfalt ausgesucht werden, um nicht die genetische Basis der Zuchtbestände zu gefährden. Zu diesem Zweck sollten drei weibliche und zwei männliche Tiere ausgewählt werden, denn so ergäbe sich zusammen mit dem wilden Spixara-Männchen die Aussicht auf drei Paare im natürlichen Lebensraum des Spixaras.

Bevor diese Tiere jedoch auf eine Auswilderung vorbereitet werden konnten, schlug das Schicksal ein zweites Mal zu. Das letzte, wilde Exemplar verschwand. Anfang 2001 vermutete man schliesslich, dass das Männchen gestorben war. Dieses tragische, jedoch nicht ganz unerwartete Ereignis bedeutete einen Wendepunkt in den Erhaltungsschutzbemühungen um den Spixara - der ab diesem Zeitpunkt als in der Natur ausgestorben galt. Gleichzeitig waren allen Hoffnungen, gezüchtete Spixara-Jungen im Nest des hybriden Pärchens aufziehen zu lassen, ein Ende bereitet. Außerdem war die Aussicht auf Erfolg einer direkten sanften Auswilderung von in Menschenobhut aufgewachsenen Tieren wesentlich gesunken, da der wilde ,Lehrer' nicht mehr existierte.

In Menschenobhut:


Als feststand, dass nur noch ein einziger Spixara in der freien Natur lebte, wusste man, dass das Überleben der Art von dem in Menschenhobhut gehaltenen Bestand abhing. Die Schwierigkeiten, die sich im Rahmen des Zuchtprogrammes ergaben, waren jedoch erheblich, und waren legaler, technischer und politischer Natur. Trotz des langsamen, aber steten Anstiegs des Zuchtbestandes gab es im Jahr davor zwei weitere schlimme Ereignisse, nämlich der Todesfall von jeweils einem weiblichen Tier. Eines davon war ein Wildfang, der seit 1985 im Loro Parque lebte; das andere gehörte dem Privatzüchter Nelson Kawall in São Paulo. Der Verlust des zweiten Weibchens war ein besonders schwerer Schlag, da es sich dabei um ein Exemplar handelte, das Anfang der achziger Jahre gefangen worden war, und sich in Menschenobhut niemals vermehrte, obwohl sie im Freiland schon Gelege produziert hatte.

Weder das Paar, welches in der Anlage von dos Santos in Recife neu gebildet worden war, schritt zur Brut, noch die Tiere im São Paulo Zoo. Obwohl sich mindestens ein Paar seit 1969 in diesem Zoo befand, wurden keine Bruterfolge registriert. Weitere Neuverpaarungen wurden im Anschluss an die Nachzuchten arrangiert, die in de Dios' und Hämmerlis Zuchtanlagen gelangen. Der Züchter aus den Philippinen verfügte nunmehr über 18 Exemplare, d.h., über die Hälfte des damaligen weltweiten Bestandes, einschliesslich zweier Brutpaare; der Bestand des schweizer Züchters lag währenddessen bei fünf Tieren, einschliesslich eines Zuchtpaares.

Angesichts der Existenz von nur drei aktiven Brutpaaren wurden von den Teilnehmern des Treffens neue Paarbildungen empfohlen. Das allem voranstehende Ziel war es, die Aras dazu zu bringen, sich fortzupflanzen, insbesondere jene, die ihre genetische Einzigartigkeit bisher noch nicht an eine neue Generation weitergegeben hatten. Gleichzeitig versuchte man, mit den neuen Paarbildungen verschiedene Blutlinien in unterschiedlichen Zuchtzentren zu etablieren, um zu vermeiden, dass ein Paar in Zukunft die gesamte Population mit ihren Genen überschwemmt.

Es wurde vorgeschlagen, das einzelne Männchen Nelson Kawalls in eine Anlage zu transportieren, in der es mit einem Weibchen verpaart werden konnte; dies, laut Antrag, sollte auf den Philippinen geschehen. Das Paar vom Säo Paulo Zoo sollte in den Loro Parque umsiedeln. Bei den Tieren aus São Paulo handelte es sich um ein einzelnes Weibchen, welches dort seit Mitte der siebziger Jahre lebte, und um ein Männchen, das 1987 in Paraguay konfisziert worden war. Die Exemplare, die der Loro Parque beherbergte, waren das ursprüngliche Männchen und seine Tochter. Das letzte Männchen aus dem São Paulo Zoo sollte in die Schweiz, und ein weibliches Tier von den Philippinen nach Recife in dos Santos' Anlage geschickt werden.

Während des Treffens in Fort Lauderdale wurde auch ein erneuter Versuch gestartet, DNA-Spurenanalysen von allen Tieren in Menschenobhut zusammenzustellen. Dies würde Aufklärung bringen, welche Tiere innerhalb des Zuchtprogramms eng miteinander verwandt waren sowie darüber, welche genetisch betrachtet die besten Verpaarungen abgeben würden. Diese Informationen waren eine wesentliche Voraussetzung für die Durchführung der Erhaltungsschutzmassnahmen.

Ein erster Versuch zur Gewinnung von Informationen über die DNA der Tiere fand 1991 statt. Als jedoch im September 1992 die Ergebnisse bekannt gegeben wurden, befanden sich 23 Exemplare im Zuchtbestand; bei fünf dieser Tiere (drei aus der Schweiz, das Tier aus Walsrode und einer von de Dios' Papageien) verliefen die Proben ergebnislos. Außerdem waren die Informationen technisch fehlerhaft, so dass der ganze Prozess wiederholt werden musste - was jedoch nicht geschah.

Diese unvollständigen Ergebnisse bedeuteten, daß einige Vögel ausgetauscht worden waren, ohne vorher Details über mögliche genetische Folgen der Neuverpaarungen zu berücksichtigen. Dies stellte möglicherweise ein grosses Problem dar, denn es gab nicht nur brütende Tiere in Menschenohhut, die miteinander verwandt waren, sondern es bestand auch die Möglichkeit der Inzucht unter den damals noch in der freien Wildbahn existierenden Tiefen. Alle aus der Natur enmommenen wilden Aras scheinen aus einer, möglicherweise zwei kleinen Populationen bei Curaçá zu stammen, und es war durchaus wahrscheinlich dass Papageien, die in verschiedenen Teilen der Welt gehalten wurden, tatsächlich eng miteinander verwandt - und vielleicht sogar Mitglieder ein und derselben Familie waren! Die Lücken und Fehler, die bei den DNA-Analysen aufgetaucht waren, stellten somit ein großes Problem dar.

Trotz dieses Rückschlags versuchte man weiterhin, über das Zuchtbuch, das in der Zwischenzeit von einer Angestellten des Houston Zoo koordiniert wurde, für einander geeignete Einzeltiere zu verpaaren. Der Bestand in Menschenobhut wuchs weiter und erreichte 2001 ca. 64 Exemplare.

Die Erweiterung der Population erfolgte jedoch stets durch den Nachwuchs der wenigen, selben Eltern. Von den 20 Tieren, die sich 1999 im Zuchtbestand des schweizer Züchters befanden, stammten mindestens 11 (möglicherweise 16) Exemplare von denselben Eltern ab (20). Es handelte sich dabei um ein älteres Männchen, welches 1974 in Brasilien gefangen worden war, und ein junges, der Zucht auf den Philippinen entstammendes Weibchen.

In der Zuchtanlage Antonio de Dios', wo inzwischen 26 Spixaras lebten, stammten 19 von nur zwei Paaren ab. Bei einem Paar handelt es sich um die ursprünglichen adulten Tiere, die er Ende der siebziger, Anfang der achziger Jahre erworben hatte. Dieses Paar hatte 12 Junge aufgezogen; eines dieser Nachzuchten war das in der Anlage des Schweizers brütende Weibchen. Das zweite Paar (das sieben Jungtiere produziert hatte) waren nicht nur Bruder und Schwester, sondern auch Nachkommen von Antonio de Dios' erstem Zuchtpaar. Somit stammte fast die Hälfte der in Menschenobhut lebende Population von nur sechs Brutpaaren ab, die ihrerseits vorwiegend miteinander verwandt waren.

Die möglichen Schwierigkeiten, die durch eine geringe genetische Grundlage und lnzucht entstehen könnten, wurden durch Transfers von Vögeln, die nicht vom Komitee autorisiert worden waren, noch verschlimmert. Der erste Schlag kam mit dem Austritt des schweizer Züchters aus dem Komitee. Er zog sich zurück und verkaufte alle seine Spixaras an einen bis drei schweizer Vogelhalter Der Grossteil seiner Kollektion (15 von 20 Tieren) ging an einen Besitzer, der wenigstens seine Zusammenarbeit mit dem Komitee bekundet hatte. Die restlichen fünf Exemplare waren laut Berichten aufgeteilt und an Halter verkauft worden, die keine Mitglieder des Komitees waren und es allem Anschein nach auch in der Zukunft nicht werden wollten. Ein weiterer Rückschlag für das Zuchtprogramm ereignete sich, als der philippinische Züchter vier seiner Tiere Anfang 2000 in den Golfstaat Qatar sandte. Dieser Transfer war nicht vom Komitee autorisiert worden, fand jedoch offensichtlich mit der Hilfe des Zuchtbuchkoordinators statt.

Als direkte Folge auf die Besitzerwechsel besagter Tiere, die ohne die Zustimmung des Komitees stattgefunden hatten, traten Spannungen auf, die im Februar 2001 die brasilianische Umweltbehörde IBAMA dazu veranlassten, sämtliche Operationen des Komitees dessen Vorsitz sie leitete, einzustellen. Zu diesem Zeitpunkt gab es kein funktionierendes Organ, das in der Lage gewesen wäre, das Erhaltungsschutzprogramm zur Rettung des Spixaras voranzubringen. Einige Tiere blieben unverpaart auf Teneriffa, in der Schweiz und Brasilien, denn ohne die Existenz des Komitees kamen keine Umsetzungen einzelner Tiere mehr zustande. Außerdem zog die Loro Parque Fundación, die den Grossteil der Feldarbeit im Habitat des letzten wilden Spixaras finanziert hatte, ihre Unterstützung der Schutzmassnahmen vor Ort zurück, nachdem das Komitee aufgelöst worden war. Somit war die wichtige Verbindung zwischen den beiden Komponenten des Programms, der Schutzbemühungen des Habitats und der Zuchtbemühungen in Menschenobhut, sehr stark geschwächt.

Im September 2001 wurde der Zuchtbuchkoordinator im Houston Zoo aus dem Erhaltungsschutzprogramm des Spixaras zurückgezogen. Kurz danach machte Brasilien selbst Vorschläge bezüglich des Austausches von Vögeln, um die Effektivität des Zuchtprogramms zu erhöhen. Diese basierten auf den Empfehlungen Natasha Schischakins, die, obwohl sie nicht mehr für den Houston Zoo arbeitete, immer noch von den brasilianischen Beamten als Zuchtbuchkoordinator angesehen wurde. Im März 2002 wurde sie endgültig von ihren Pflichten enthoben und durch den brasilianischen Wissenschaftler Carlos Bianchi ersetzt.

Erfolge und Enttäuschungen


Erfolge

* Die Gründung des Erhaltungsschutzkomitees
Im Hinblick auf die legale Komplexität und die geographische Verstreutheit der einzelnen Tiere, die in Menschenobhut gehalten wurden, stellte die Gründung eines Komitees mit dem Ziel, all diese verschiedenen Interessengruppen zusammenzubringen, um gemeinsam vorzugehen, einen beträchtlichen Erfolg dar. Es besteht kein Zweifel, daß die Dinge ohne die Existenz des Komitees wesentlich schlechter gelaufen wären.

* Zuchtprogramm in Menschenobhut
Auch wenn die Zuchtanstrengungen aufgrund des hohen Zeitaufwands, der benötigt wurde, um einige Pärchen zu bilden, teilweise recht frustrierend waren, und eine ganze Menge mehr hätte getan werden können, um die Ergebnisse dieser Bemühungen noch zu verbessern, so muss man doch anerkennen, dass die Vervierfachung des Zuchtbestandes zwischen 1990 und 2000 sicherlich eine Errungenschaft darstellt.

*Unterstützung durch die einheimische Bevölkerung
Ein wesentlicher Aspekt für einen langfristigen Erfolg des Programms (möglicherweise auch noch in der Zukunft) bestand in Bereitschaft der einheimischen Bevölkerung, das Projekt zur Rettung des Spixaras unterstützten. Dem Feldteam, das hauptsächlich von der Loro Parque Fundación finanziert wurde, gelang es, ein großes Mass an Bereitschaft unter der Bevölkerung zu erzeugen, den Spixara in seinem Lebensraum zu schützen. Erfahrungen, die andererorts auf der Welt gemacht wurden, beweisen, wie wichtig dies einmal in der Zukunft sein kann. Die Tatsache, dass dieser Bestandteil des Programms zur Rettung des Spixaras von Seiten der IBAMA nur mit geringer finanzieller Hilfe unterstützt wird, ist äußerst besorgniserregend.

* Erfolgreiche Feldversuche und Forschung
Sowohl durch Beobachtungen als auch durch experimentelles Vorgehen konnten eine ganze Menge an Informationen gesammelt werden, die später einmal von entscheidender Wichtigkeit sein könnten. Da jedoch ein Grossteil des gesammelten Materials unveröffentlicht bleibt, ist dessen Wert i.M. nur begrenzt.

Enttäuschungen


* Keine neue Populationsbildung um das letzte wilde Exemplar
Der Umstand, daß das letzte Exemplar in der Natur nach seiner Entdeckung noch ein ganzes Jahrzehnt lang lebte, war ein grosses Glück für das Schutzprogramm; trotzdem ist es eine Enttäuschung, dass es in dieser langen Zeit nicht gelang, weitere Vögel dieser Art im natürlichen Lebensraum des freilebenden Männchens auszuwildern.

* Keine Einigung über ein Schutzprogramm
Trotz der enormen Anstrengungen, die darauf verwendet wurden, verschiedene Treffen einzuberufen (auch wenn diese nicht regelmässig und häufig genug stattfanden, um gleichmäßige und wirksame Fortschritte zu erzielen), in denen es um die Zucht und Feldarbeit ging, ist es bemerkenswert, daß bisher noch kein von allen Interessengemeinschaften gemeinsam verabschiedetes Programm zur Rettung des Spixaras existiert. Diese Tatsache fällt besonders ins Auge, war doch die Erstellung eines solchen Plans eines der ersten Hauptziele des Komitees bei seiner Gründung. In der Aktualität existiert immer noch keine offizielle Vorgehensweise, bzw. kein Programm, für welches Budgets. Verantwortungs- bereiche oder Zeitpläne genehmigt worden wären.

* Habitat noch ohne formellen Schutz
IBAMA unterzeichnete anfangs ein Abkommen mit dem Landbesitzer, in dessen Gebiet der Aufenthaltsort des letzten Spixara-Exemplars lag, das jedoch nach fünf Jahren ablief. Daraufhin wurde ein Antrag ausgearbeitet, um die wichtigsten Gebiete im Lebensraum des Spixaras zu erwerben, dem jedoch erst Mitte 2001 nachgekommen wurde. Einige Schlüsselgebiete wurden eingezäunt, jedoch existiert noch kein langfristiger Plan zur Vermeidung von Überweidung und deren Folgen für den einzigartigen Habitat des Spixaras.

* Noch keine Entwicklung eines Zuchtplanes
Trotz Zugestandnissen, die 1994 gemacht worden waren, existieren noch keine Richtlinien für die Zucht des Spixaras in Menschenobhut. Somit bleibt ein Grossteil der Erfahrungen, die in den Bereichen Tiermedizin, Fürsorge und Zucht dieser Art in Menschenobhut gewonnen werden konnten, unzusammenhängend und unveröffentlicht.

* Fehlen von umfassenden genetischen Untersuchungen als Basis für Paarbildungen Trotz der überaus wichtigen Notwendigkeit Inzucht zu vermeiden, wurden die Spixaras noch keiner umfassenden genetischen Analyse unterzogen. Dies stellt eindeutig ein Hindernis für eine effektive Zucht der Tiere in Menschenobhut dar. Diese Massnahme, gemeinsam mit der Erstellung eines Zuchtplanes, wären eigentlich in den Verantwortungsbereich des Zuchtbuchkoordinators gefallen. Daraus ergibt sich, dass der neue Koordinator sowohl das Verantwortungs- bewusstsein als auch die Fähigkeit dazu besitzen sollte, solche wichtigen Aufgaben zu bewältigen.

* Schwierigkeiten durch Transfers und Verkäufe
Die Entscheidung einiger Privatbesitzer, ihre Tiere ohne die Zustimmung des Komitees zu verkaufen und hin- und her zu transportieren, gibt Anlass zur Sorge. Die Tatsache dass die betroffenen Personen dermaßen eigenwillig handelten, ist in jedem Fall eine Gewissensfrage; dass jedoch keine angemessenen Sanktionen zur Verfügung standen, die gegen jene Personen hätten angewandt werden können, stellt die Frage nach dem Eigentum an den Tieren in den Mittelpunkt.

Schlussfolgerungen


Etwas Vergleichbares sollte nie mehr passieren
Selbstverständlich hätte man nie zulassen dürfen, daß der Spixara in der Natur ausstirbt. Der restliche Freilandbestand hätte vielmehr geschützt, und gegen alle Fänger und Händler von Tiefen dieser Art kompromisslos vorgegangen werden müssen. Man sollte jedoch in Erwägung ziehen, dass das Schicksal vieler gefährdeter Papageienarten, wie jenes des Spixaras, im Zusammenhang mit langfristigen ökonomischen Trends, die für den Verlust und die Zerstörung von Lebensräumen verantwortlich sind, gesehen werden muss. Bemühungen, die darauf abzielen, stark bedrohte Tierarten zu schützen, müssen in realistischem Zusammenhang hierzu stehen.

Wer ist Eigentümer der Spixaras
? Diese Frage war von Anfang an ein Problem bei der Realisierung des Programms. Da keine Übereinkunft bezüglich des Eigentums an den Tiefen getroffen wurde, stellte sich deren Kontrolle und Koordinierung sehr bald als äußerst schwierig heraus. Die Loro Parque Fundación tat (als einziges aller Komiteemitglieder) den ehrenhaften Schritt, das Eigentum der sich in ihrer Zuchtanlage befindlichen Spixaras an die brasilianische Regierung zurückzugeben. Wären alle in Menschenobhut gehaltenen Tiere von einem zentralen Organ aus kontrolliert worden, hätten wichtige Entscheidungen wahrscheinlich schneller getroffen, die Gelder problemloser verwaltet und die praktischen Massnahmen zur Rettung der Art sicherlich viel erfolgreicher durchgesetzt werden können.

Der Spixara kann immer noch gerettet werden
Die wichtigste Frage ist natürlich: Kann der Spixara noch gerettet werden? Die Antwort lautet ja. Angesichts des heutigen Stands der Kenntnisse und Erfahrungen kann man sich durchaus optimistisch zeigen. Zur Lösung des Problems ist jedoch eine bestimmtere und systematischere Annäherung vonnöten als es bisher der Fall war; dies setzt die Klärung einiger maßgebender Fragen voraus, einschliesslich jener nach dem Eigentum an den Tieren.

Beurteilung


Die Zukunft sollte auf einer unabhängigen Beurteilung der bisherigen Erhaltungsschutzbemühungen basieren. Aus den ersten 12 Jahren kann und sollte vieles gelernt werden; diese gewonnenen Erkenntnisse sollten dazu genutzt werden, die nächsten Phasen zu planen. Um Glaubwürdigkeit und Respekt von den vielen beteiligten Parteien zu erhalten, muß eine solche Beurteilung von einer unabhängigen Einrichtung verfasst werden, die in keiner direkten Verbindung zu den bisherigen Schutzmassnahmen zur Rettung des Spixaras stand. Es sollte ein klares Konzept vorliegen, so dass alle Parteien ihren Standpunkt zu einer solchen Beurteilung abgeben können.

Rückgabe der Kontrolle an Brasilien
Schutzaktionen sollten in Zukunft deutlicher unter der Leitung Brasiliens stehen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Klärung der Eigentumsfrage in einer Weise, die dem Ursprungsland des Spixaras mehr Einfluss einräumt, sondern auch auf die tatsächliche Rückführung wenigstens einiger Tiere in eine Anlage, die sich im Nordosten des Landes befindet - vorzugsweise in jenem Gebiet, wo die letzten Spixaras gelebt hatten. Es werden zwar sicherlich Probleme durch die Abgeschiedenheit und die schlechte lnfrastruktur jenes Stücks Land entstehen, jedoch sollte dies kein Grund dafür sein, diese Möglichkeit nicht in Erwägung zu ziehen. Das Zuchtbuch sollte von Brasilien aus koordiniert werden und jegliche zukünftige Struktur eines neuen Komitees stärker auf der Souveränität Brasiliens basieren. Solche Veränderungen haben jedoch nur Sinn, wenn die brasilianische Regierung sich stärker und glaubwürdiger für die Rettung des Spixaras engagiert. Hierzu müssen Politiker und Beamte des Landes sowohl politische als auch finanzielle Mittel aufbringen. Bevor dies nicht geschieht, werden viele Menschen skeptisch bleiben bezüglich Brasiliens Fähigkeit, bei der Erhaltung des Spixaras eine entscheidende Rolle zu spielen.

Danksagungen


Viele Personen haben dazu beigetragen, mein Wissen und Verständnis um die Erhaltungsschutzbemühungen des Spixaras zu erweitern. Es ist mir unmöglich, diese alle aufzuführen, jedoch möchte ich ganz besonders Dr. Nigel Collar von Birdlife International, Carlos Yamashita sowie der Loro Parque Fundación, insbesondere ihrem Direktor Yves de Soye, danken.

Vermerke (Red: Die meisten der unten gelisteten Werke sind auf diese Internet-Seiten zu finden.)
1. Von Spix und Martius schrieben ihre Expeditionen in drei Bänden auf, die zwischen 1817 und 1820 als 'Zusammenfassung der Reisen nach Brasilien auf Anweisung seiner Majestät, Maximilian Joseph I, König von Bayern' veröffentlicht wurden. Das originalwerk erschien in deutscher Sprache. Eine englische Übersetzung der beiden ersten Bände wurde H. E. Lloyd 1824 fertiggestellt und veröffentlicht.
2. Diese Bezeichnung fügte von Spix seiner Beschreibung des kleinen, blauen Aras der Caatinga bei. die er in seinem Werk Avium Brasiliensium Novae zwischen 1824 und 1825 veröffentlichte.
3. Reiser. O (1926). Liste de Vogelarten welche auf der von der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften 1903 nach Nordostbrasilien entsenden Expedition unter Leitung des Herrn Hofrates Dr F. Steindachner gesammelt wurden. Denkschr Akad. Wiss. Wien, math. naturwiss. Kl.
4. Siehe Juniper. T. (2002). .,The Last Spix'. Fourth Estate: London.
5 Keller. C. (1987). 'Up-to-date information on the Spix's Macaw (Cyanopsitta Spixii [Wagler]) and the environmental situation in Brazil'. Unveröffentlicht. (Red: jedoch auf diese Internetseiten zu lesen)

6. Lei No. 5197 wurde in bcsagtem Jahr von der Forstabteilung der Regierung verabschiedet, und untersagte den Export wilder Tiere aus Brasilien. 7. Siehe Collar et al 1992. 'Threatened Birds of the Americas', ICBP: Cambridge. Dieser Autor fasst in seinem Werk umfassende und mit vielerlei Referenzen versehenes Informationsmaterial zusammen, das zu diesem Zeitpunkt bis Anfang der neunziger Jahre über den Spixara zur Verfügung stand.
8. Siehe z.B. Sick, H. (1989), ,Ornitologia brasileira, uma introducäo'. Brasilia: Editora Universidada de Brasilia.
9. Siehe Ridgely, R. S. (1981). 'The current distribution and status of mainland neotropical parrots'. In R.F Pasquier, ed. Conservation of New World Parrots. Technical publication No 1. International Council for Bird Preservation, Cambridge. UK.
10.ICBP wurde 1993 in Birdlife International umbenannt.
11.Später stellte sich heraus, dass zwei Tiere in diesem Jahr über einen Händler in Paraguay aus Brasilien exportiert wurden, und mit einer gefälschten Export-genehmigung nach Europa importiert wurden. Möglicherweise handelt es sich dabei um besagte Tiere.
12.Z. B. Roth, IR (1989). Der Spixara: Population, aktueller Status und Biologie des Spixaras Cyanopsitta spixii. Unveröffentlicht. 13.Informationen über die Vegetation im Spixara-Habitat und mögliche Gründe for ihre Seltenheit wurden von Juniper. A, T und Yamashita, C. veröffentlicht (1991). ,In the Habitat and Status of Spix's Macaw', Cyanopsitta Spixii. Bird Conservation lntemational 1 (1).
14.Diese Angabe erhielt Roth von Einheimischen in der Umgebung von Curaçá.
15.S. Juniper. T. (2002). ,The Last Spix'.
16.Der Ständige Ausschuss zur Rettung des Spixaras wurde im März 1990 im Rahmen der brasilianischen Gesetzgebung gegründet (Potaria no. 330). Seine Statuten wurden in einem separaten Dekret festgehalten (Portaria no 331). Dies geschah fast vier Jahre nach dem ersten Versuch, einen Plan zur Rettung der Art zu entwickeln. Das Komitee ist seither unter der Abkürzung CPRAA bekannt gemäß der portugiesischen Bezeichnung: Comitê ,Permanente para a Recuperação da Arahinha Azul'); der Einfachheit halber wird es hier jedoch kurz als 'Komitee' bezeichnet.
17 Thomsen, J. (1991), liefert eine hervorragende Zusammenfaßung über die Entwicklung des Komitees in einem unveröffentlichten Memorandum. welches er für die Organisation TRAFFIC anfertigte. Ein ausführlicherer Bericht über das Komitee und seine Aktivitäten lieferte Juniper, T. (2002), in seinem Werk ,The Last Spix'.
18 Diese Angaben sind dem Protokoll des ersten Komitee-Treffens entnommen.
19 Weitere Informationen über das hybride Paar und die Auswilderung von Rotrückenaras können verschiedenen Ausgaben der Zeitschrift Cyanopsitta der Loro Parque Fundación entnommen werden. Siehe auch Juniper, T. (2002). in 'The Last Spix'.
20 Da die Transfers von fünf Tieren nicht mit dem Einvernehmen des Komitees stattfanden, existieren über diese Tiere keine Unterlagen. die dem Autor zur Klärung der Verwandtschaft dieser Vögel miteinander zur Verfügung hätten stehen können.

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