4 Jahre nach der Bildung der neuen Paare. Die Spixaras beginnen zu züchten. Ein Bericht in der Juni/September 1999 Ausgabe (Seiten 12-15) von Cyanopsitta, der Zeitschrift der Loro Parque Fundación.



Im März diesen Jahres, nach einer im davorigen November vorgenommenen Umsetzung in neue Volieren, legte eines der beiden von Loro Parque Fundación gehaltenen Spixara-Paare die ersten Eier. Obwohl beide Gelege - insgesamt fünf Eier - sich als unfruchtbar herausstellten, sind wir überzeugt, nunmehr auf dem richtigen Wege zu sein und die Art bald wieder zum Züchten bringen zu können. Dies wurde insbesondere eine großere Bandbreite an Möglichkeiten für die Wiederausbürgerung der Art in freier Wildbahn in Aussicht stellen. Im folgenden wird ein Bericht an das Komitee zur Erhaltung des Spixara vom August 1999 zusammengefasst.

Loro Parque Fundación hält derzeit zwei Paare Spixaras. Zwei der Vogel kamen im Jahre 1995 von Brasilien nach Teneriffa, durch eine vom Komitee zur Erhaltung des Spixaras (CPRAA) empfohlene Zuchtleihgabe des Zoologischen Gartens in São Paulo. Das Ziel des Transfers war eine Erhöhung des Zuchtpotentials der sich in menschlicher Obhut befindlichen Population. Die beiden Vögel, die sich bereits in unserer Anlage befanden, und deren Eigentumsrechte von der Stiftung an die brasilianische Regierung übertragen worden sind, wurden mit den Vögeln aus São Paulo neu verpaart.

Die Spixaras von Loro Parque Fundación

Seit der Ankunft der beiden Spixaras aus Brasilien werden alle vier Vögel in einem innerhalb des Loro Parque unter freiem Himmel gelegenen und der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Zuchtzentrum gehalten. Das Gelände um die Volieren wird Tag und Nacht von Sicherheitspersonal und Videokameras überwacht und wird nachts abgeschlossen.

Das Männchen von Paar 1 (Zuchtbuch Nr. 9) war in unserer Anlage zuvor mit einem Weibchen (Zuchtbuch Nr. 8) verpaart gewesen, das im November 1993 starb, anderthalb Jahre nachdem ein junges Weibchen (Zuchtbuch Nr. 26) erfolgreich aufgezogen werden konnte. Nach dem Tod seines Partners blieb das Männchen mit dem jungen Weibchen zusammen, bis es im Juli 1995 mit dem neuen, vom Zoologischen Garten São Paulo gekommenen Weibchen (Zuchtbuch Nr. 2) verpaart wurde.

Das Weibchen von Paar 2 (Zuchtbuch Nr. 26) schlüpfte am 21. März 1992 im Loro Parque und wurde per Hand aufgezogen. Es ist der einzige sich in unserer Obhut befindliche Spixara, der aus der Nachzucht stammt. Im Juli 1995 wurde dieses Weibchen mit dem, noch aus freier Wildbahn stammenden Männchen aus dem Zoo in São Paulo (Zuchtbuch Nr. 5) verpaart.

Im Zeitraum von der Zusammenführung der neuen Paare bis in den Herbst 1998 schritten die Vögel nicht zur Brut. Dennoch konnten nach drei Jahren gegenseitige Gefiederpflege, Balzverhalten und Kopulationen beobachtet werden, was auf den guten Paarzusammenhalt hindeutete.

Veränderungen bei der Haltung

Obwohl sich die in unserer Obhut befindlichen Spixaras immer einer besonderen Pflege erfreuen durften, veranlasste uns der Mangel an Zuchtergebnissen in der zweiten Hälfte des Jahres 1998 mehrere Änderungen bei den Haltungsbedingungen vorzunehmen. In erster Linie glaubten wir, daß die Spixaras etwas abgelegenere Volieren bevorzugen könnten als jene, in denen sie bis zu diesem Zeitpunkt untergebracht waren. Im Oktober 1998 wurden die Vögel in eine andere Zone im Loro Parque umgesetzt, die nach der Einweihung des neuen Zuchtzentrums umgebaut worden war. Seit der Auslagerung der Papageiensammlung in das außerhalb des Parks gelegene Zuchtzentrum in "La Vera", werden die neuen Volieren nur noch von jenen Tierpflegern aufgesucht, die unmittelbar mit der Betreuung der Spixaras beauftragt sind. Es sind nun auch keine anderen Papageien mehr in Nachbarkäfigen. Insgesamt gewährleistet dies den beiden Paaren mehr Ruhe und Abgeschiedenheit.

Beide Volieren sind 12 m lang, 2 m breit und 3 m hoch, und der Boden ist mit grauem Kies bedeckt. Die Wände bestehen auf drei Seiten aus mit Kletterpflanzen bewachsenen Blocksteinen, die Frontalseite hingegen aus Gitter. Doppelter Maschendraht fasst die Volieren auf der Oberseite ein. Die beiden gegenüberliegenden Enden der Volieren sind auf jeweils 2 m Breite mit Uralit-Platten gegen Regen und Sonne abgedeckt. Die Volieren der beiden Paare liegen unmittelbar aneinander und kommunizieren durch ein 100 x 60 cm großes, in die trennende Wand eingebautes, Fenster. Das Fenster wurde installiert, um einen sowohl optischen als auch akustischen Kontakt zwischen den vier Vögel zu erlauben, um einen gegenseitigen Stimulus zu ermöglichen sollte eines der Paare zu Bruten beginnen. Der Zugang zu den Volieren ist durch die Frontseite gegeben, wo auch die Futterschalen angebracht sind. Eine große Partie der Vorderseite ist zusätzlich mit durchscheinenden Plastikplatten ausgekleidet, um den Sichtkontakt nach außen zusätzlich zu unterbinden.

Als zusätzliche Umweltbereicherung werden frische Eukalyptus- und Kiefernzweige regelmäßig an den Wänden der Volieren angebracht, und wie vordem über ein auf den Volieren installiertes Sprengersystem tägliche Duschen verabreicht. Jede Voliere weist vier Sitzstangen in 1.5 bis 2 m Höhe auf, die von einer Wand bis zur gegenüberliegenden reichen. Dabei sind die beiden zentralen Sitzstangen tiefergelegt, um reichlich Flugraum zu bieten. Alle Sitzstangen sind nahe einer der Nistmöglichkeiten gelegen, so daß die Vogel diese problemlos erreichen können.

Fünf Nistmöglichkeiten, an verschiedenen Stellen innerhalb der Volieren und mit unterschiedlicher Ausrichtung, wurden jedem der Paare angeboten:
Zwei Holznistkästen (80 x 30 x 30 cm, Nestöffnung 10 cm Durchmesser), die eine vertikal in der Mitte der rechten Seitenwand, die andere horizontal in der hinteren rechten Ecke aufgehängt. In allen vier Nistkästen sind kleine Infrarot-Kameras installiert, um das Verhalten der Tiere über ein Monitorsystem auf Distanz überwachen zu können.

Ein in der hinteren linken Ecke aufgestellter zwei Meter hoher Palmenstamm. Die oberen 20 cm des Stamms wurden in einen abnehmbaren Deckel umgearbeitet, um eine Nestkontrolle zu ermöglichen. Um die Tiere zusätzlich zu stimulieren, wurde direkt unter dem abnehmbaren Deckel eine viereckige, tiefe Öffnung in den Stamm gebohrt. Ein kleinerer Palmenstamm wurde wurde an der Wand nahe der Frontseite, bei den Futterschalen aufgehängt.

In der Mitte der Voliere wurde ein großer Eukalyptus-Stamm mit glatt abgesägtem Kopfende aufgestellt, dessen natürliche Höhlen für das Graben einer Nisthöhle einen Anfang bilden könnten.

Zusätzlich zur Umsetzung der Vögel in die neuen Volieren führten wir auch bei ihrer Ernährung eine leichte Änderung ein, die in einem noch vielfältigeren Angebot an Gemüse, Früchten und Samen (Pinienkerne, Walnüsse, Haselnüsse, Brasilnüsse, Kokosnußstücke usw.) bestand. Insbesondere wurden den Vögeln während der Brutsaison als zusätzliche psychologische und physiologische Anreize gekeimte Samen angeboten, um ihre Brutstimmung zu fördern. Tatsächlich konnten wir beobachten, daß das Weibchen von Paar 1 während der Brutphase (s.u.) auf den Tierpfleger wartete, um schnell von dieser Mischung zu fressen bevor sie zum Nest zurückkehrte.

Erstes Gelege von Paar I und Entnahme der unfruchtbaren Eier

Der Transfer zu den neuen Volieren bewirkte eine deutliche Wandlung im Verhalten beider Spixara-Paare. Dies scheint zum Großteil auf den stark eingeschränkten Kontakt zu Menschen wie auch zu anderen Papageienarten zurückzuführen sein, dabei vor allem, daß die Anwesenheit des Tierpflegers sich auf die wenigen Minuten der Fütterungszeit beschränkt. Ferner verhindern die Plastikplatten an der Frontseite, daß die Vögel sich an den Maschendraht hängen und das Gelände vor der Voliere beobachten. Schließlich dürften die Größe der Volieren, die Umweltbereicherung, und die Umstellung der Nahrung zu der beobachteten Verhaltensänderung beigetragen haben. Die Vögel waren wesentlich aktiver, erkundeten ihre neue Umgebung und erfreuten sich an den täglichen Duschen in einem zuvor nicht beobachteten Ausmaß.

Ab Mitte März begann Paar 1 sich ernsthaft für den vertikalen Nistkasten zu interessieren. Insbesondere das Männchen war über lange Perioden im Nistkasten aktiv und bearbeitete die Wände mit dem Schnabel. Kiefernholzstücke und Holzwolle wurden in das Nest eingebracht, die mit großer Begeisterung zerkleinert wurden. Das Paar erschien eng gebunden, und wurde häufig rufend oder synchron durch die Voliere fliegend sowie bei der gegenseitigen Gefiederptlege beobachtet. Wenn sich Menschen der Voliere näherten, flogen beide gemeinsam an den Eingang des Nistkastens, was als starker Hinweis auf Brutabsichten gedeutet werden konnte. In der letzten Märzwoche wurde das Paar merklich rühig, und das Weibchen verbrachte nunmehr mehr Zeit mit der Bearbeitung des Nistmaterials im Kasten; die Rufe des Paars bei der Annäherung von Menschen verschwanden völlig.

Am 29. März 1999, während einer der Routinekontrollen an den Kameramonitoren, fanden wir zu unserer großen Freude, daß das Paar ein erstes Ei gelegt hatte, wobei festgehalten werden sollte, daß dies vermutlich das erste Gelege des Weibchens aus São Paulo überhaupt ist. Das Weibchen begann bereits beim ersten Tag mit der Bebrütung, und ein zweites und drittes Ei folgten am 2. und 5. April.

Leider stellte sich bei der nach angemessener Bebrütungsdauer durchgeführten Ovoskopie heraus, daß die Eier keine Embryos enthielten. In der Hoffnung auf ein Nachgelege entschieden wir daher, die Eier aus dem Nest zu entnehmen. Die später durchgeführte mikroskopische Untersuchung konnte bestätigen, daß das Fehlen eines Embryos an fehlender Befruchtung lag und nicht an mangelhafter Bebrütung.

Zweites Gelege von Paar 1 und Aufzucht von zwei Rotrückenaras

Nach der Entnahme des Geleges aus dem Nest verblieb das Weibchen weiterhin lange Zeit, das Nistmaterial bearbeitend, im Nistkasten. Über die folgenden Tage konnten wir wiederholt Kopulationen beobachten, was uns Hoffnung auf ein fertiles neues Gelege machte. Das Männchen schien allerdings weniger Interesse zu zeigen als das Weibchen, welches die Paarung in der Regel anbieten musste.

Die folgenden zwei Eier wurden am 24. (ca. 19.30 Uhr) und 29. April (zwischen 19.00 und 19.25 Uhr) gelegt. Leider stellte sich bei der am 10. Mai durchgeführten Ovoskopie heraus, daß auch diese unfruchtbar war. In dem Versuch, dem Paar dennoch erste Erfahrung in der Aufzucht zu ermöglichen, wurde das Gelege gegen zwei fruchtbare Eier eines Rotrückenara-Paares (Ara maracana) ausgetauscht.

Nach erfolgreicher Bebrütung schlüpften am 14. und 17. Mai ohne Probleme zwei Rotrückenara-Junge. Die eigenen Eier (24. April bis 10. Mai) und die der Rotrückenaras ( 10. bis 17. Mai) zusammengerechnet, hatte das Spixara-Weibchen im zweiten Versuch somit insgesamt 23 Tage gebrütet, als das zweite Küken schlüpfte. Beide Eltern fütterten die Jungen, die in den ersten Wochen gut genährt erschienen und sich gesund entwickelten.

Am 06. Juli aber wurde während der Routinekontrollen eines der beiden Küken tot aufgefunden. Bei der Kontrolle der Videobänder konnte bestätigt werden, daß es am davorigen Tag am späten Nachmittag gestorben war. Der Nistkasten wurde daraufhin untersucht und sowohl das tote als auch das zweite Junge entfernt, um das Überleben des letzteren zu sichern und jede denkbare von den Jungen ausgehende Infektion der Spixaras zu vermeiden. Die Nekropsie des toten Kükens fand eine oberflächliche Wunde an der Kopfhaut, sowie eine tiefe infizierte Wunde im unteren Rückenbereich, die auf eine Verstümmelung durch das Geschwister oder dem Weibchen hindeutet. Das Körpergefieder des toten Kükens war ferne gerupft, was allerdings in vielen Zuchtpaaren gefunden werden kann und ein Ausfliegen der Nestjungen nicht verhindern muss.

Das Gewicht des zweiten Kükens bei der Entnahme aus dem Nest betrug 227 g, was darauf hinweist, daß es im Gegensatz zu seinem Geschwister ausreichend ernährt worden war. Es wurde am gleichen Tag der Entnahme in die Handaufzuchtstation gebracht, wo es erfolgreich groß gezogen werden konnte.

Obwohl wir von den neugebildeten Paaren bisher noch keine fertilen Gelege erhalten haben, hat uns die letzte Brutsaison endlich vielverprechende Ergebnisse gebracht, die uns hoffen lassen, daß wir im nachsten Jahr in Loro Parque Fundación Spixaras züchten können. Auch in Paar 2 konnten wir feststellen, daß die Änderungen in der Haltung einen insgesamt positiven Effekt bewirkt haben. Das Paar erscheint zunehmend gefestigt und wir glauben, daß es ebenfalls bald zu züchten anfangen wird. In etwa zur gleichen Zeit wie auch Paar 1 wurden die Partner scheuer und zeigten ausgedehntes Balzverhalten und häufige Kopulationen - besonders in den Abend- und Morgenstunden.

Es ist unfraglich, daß wir mit den letzten Änderungen auf dem richtigen Weg sind, von den vier Vögeln in unserer Obhut junge Spixaras zu züchten. Dies ist umsomehr von Bedeutung, da sie genetisch die wertvollsten des gesamten bekannten Bestands der Art sind.

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