Der Spix-Ara
Der Spix-Ara ist ein Ara mittlerer Größe mit einer Gesamtlänge von 55 bis 57 cm. Das Blau seines Gefieders ist auf den Flügeln dunkler als an Brust und Bauch, auf dem Kopf jedoch heller, wo es zu einem schönen Silbergrau verblasst. Die nackten Gesichtspartien sind bei Jungtieren hellgrau, bei adulten Tieren dunkler grau. Außerdem zieht sich bei Jungvögeln über den First des Oberschnabels, einschließlich der Schnabelspitze, ein scharf begrenztes hell hornfarbenes Band, das verschwindet, wenn die Tiere erwachsen werden. Die Spix-Aras, die ich bisher sah, zeigten keinen erkennbaren Sexualdimorphismus, obwohl Berichten zufolge weiße Federn im Kopf- und Nackenbereich typisch für Weibchen sein sollen.
Spix-Aras gehören zu den vier blauen Ara-Arten. In verschiedenen anderen Sprachen sind sie bekannt als Little Blue Macaw (Englisch), Ararinha azul (Portugiesisch), Ara de Spix (Französisch) und Guacamayo de Spix (Spanisch). Die blauen Aras gehören zu zwei nicht nahe verwandten Gattungen: Vertreter der Gattung Anodorhynchus, Blauaras, sind der Hyazinthara (A. hyacinthinus), der Lear-Ara (A. leari) und der Meerblaue Ara (A. glaucus), die Gattung Cyanopsitta enthält nur C. spixii. Sein Artname ist Johann Baptist von Spix gewidmet, einem deutschen Naturforscher und Arzt, der nach Brasilien entsandt wurde, um die dortige Fauna zu erforschen. 1819 sammelte er einen Spix-Ara und brachte ihn als Balg mit nach Deutschland.
Obwohl seine Farbe auf eine Verwandtschaft mit den drei Blauaras hinweisen könnte, ist der Spix-Ara eher mit den drei Arten der Gattung Primolius, dem Rotrückenara (P. maracana), dem Gelbnackenara (P. auricollis) und dem Gebirgsara (P. couloni), sowie dem Rotbauchara (Orthopsittaca manilata) verwandt.
Sehr wahrscheinlich war das Verbreitungsgebiet des Spix-Aras nie sehr ausgedehnt. Man vermutet auch, dass die Gesamtpopulation niemals besonders groß war. Wie auch immer, die letzte Region, in der sich der Spix-Ara nachgewiesenermaßen aufhielt, war ein kleines Gebiet im Bundesstaat Bahia in Nordost-Brasilien, Teil des Ökosystems der Caatinga.
Status des Spix-Aras und Versuche zur Erhaltung der Art
Wie vermutlich jeder Papageienfreund weiß, ist der Spix-Ara im Freiland ausgestorben. Das letzte frei fliegende Exemplar, ein Männchen, das mit einem weiblichen Rotrückenara verpaart war, verschwand im Oktober 2000. Ein tragischer Verlust für das Komitee zur Rettung des Spix-Aras (CPRAA), das während der letzten zehn Jahre sowohl durch Feldarbeit als auch durch Zuchtmanagement gewaltige Anstrengungen unternommen hatte, ein Erhaltungs-(und möglicherweise Wiederauswilderungs-) Programm zu entwickeln. Die Loro Parque Fundación, Mitglied des Komitees, hatte diese Bemühungen mit mehr als US$ 600.000 unterstützt.
Es war versucht worden, ein Spix-Ara-Weibchen auszuwildern, und man hatte gehofft, dass es sich mit dem letzten frei lebenden Männchen verpaaren würde. Zuchtbuch-Weibchen Nr. 7 wurde im August 1994 in die Gegend gebracht, in der sich das Männchen aufhielt. Nach siebenmonatiger Vorbereitungszeit wurde das Weibchen im März 1995 freigelassen. Im Mai desselben Jahres begegnete es dem Männchen und schloss sich ihm an. In der Folgezeit konnten die Vögel oft zu dritt, d.h. zusammen mit dem weiblichen Rotrückenara, beobachtet werden. Ungefähr Mitte Juni 1995 war das Spix-Ara-Weibchen spurlos verschwunden. Man glaubte zunächst, dass es einem Beutegreifer zum Opfer gefallen war, aber das sollte sich als falsch erweisen: Jahre später stellte sich heraus, dass es an einer der in dieser Gegend häufig vorkommenden Hochspannungsleitungen verunglückt war.
Nach dem Verlust des freigelassenen Weibchens wurden zwei andere Pläne vorgeschlagen, deren Ziel es war, in Menschenobhut geschlüpfte Spix-Aras einmal dort auszuwildern, wo sich das letzte Männchen aufhielt. Plan 1 sah vor, Rotrückenaras auszuwildern, die sowohl aus Handaufzuchten als auch aus Naturbruten stammten - ein Pilotversuch für die Auswilderung junger Spix-Aras.
Gemäß Plan 2 sollten befruchtete Eier oder junge Nestlinge von Rotrückenaras aus umliegenden Bruthöhlen ins Nest des Spix-/Rotrückenara-Paares gelegt werden. Dieser Versuch sollte Aufschluss darüber bringen, ob dieses Paar brüten und die Jungen auch bis zum Ausfliegen aufziehen würde.
Erwiese sich dieses Vorgehen als erfolgreich, sollten dann im letzten Schritt einige befruchtete Eier, die von Spix-Aras in Volieren stammten, ins Nest des gemischten Paares gelegt werden. Die in der Folge aufgezogenen Jungtiere würden den Grundstock für eine neue Spix-Ara-Population im Freiland bilden.
Obwohl sich diese Pläne Erfolg versprechend entwickelten, kam alles zu einem jähen Ende, als das letzte frei lebende Männchen im Oktober 2000 verschwand. Diese Tatsache trug zur Auflösung des CPRAA im Jahre 2002 bei. Seitdem gibt es eine neue Arbeitsgruppe, zu der unter anderem die Loro Parque Fundación, die Conservation International do Brasil, die Fundação Garcia D'Avila und die Fundação Parque Zoológico de São Paulo gehören. Die neu gegründete Arbeitsgruppe untersteht der IBAMA, der brasilianischen Umweltbehörde.
Der gegenwärtige neue Plan zur Rettung der Art, der aus der Zusammenarbeit der Loro Parque Fundación und der IBAMA entstand, sieht umfassende Maßnahmen vor, wie zum Beispiel:
. die Errichtung von zwei oder mehreren Zuchtzentren für den Spix-Ara in Brasilien;
. die Unterhaltung mindestens eines Zuchtzentrums für den Spix-Ara in einem nderen Land;
. die praktische und theoretische Schulung des Personals in den Zuchtzentren;
. Untersuchungen innerhalb des gesamten historisch nachgewiesenen Lebensraums, um eine geeignete Stelle zur Auswilderung festlegen zu können und nach gründlicher Analyse Land zu erwerben;
. Wiederaufnahme der Feldforschung, Wiederherstellung des Habitats, Auswilderungsexperimente und Aufklärungsprogramme für die Bevölkerung vor Ort, sobald sich die Bestände in Menschenobhut positiv entwickeln.
Wenn alles wie geplant verläuft und die Gesamtzahl der Individuen durch Nachzuchten und/oder durch andere Halter dieser Spezies, die sich der Arbeitsgruppe anschließen, ein vereinbartes Niveau erreicht hat, können Brutvögel in weiteren Zuchtzentren untergestellt werden. Schließlich können Spix-Aras mittels einer der Wiederauswilderungstechniken, die sich bei anderen Vogelarten bewährt haben, ins Freiland entlassen werden.
Die gegenwärtige Situation
Als das Internationale Zuchtbuch (ISB) für den Spix-Ara 1991 eingerichtet wurde, war die Anzahl der in menschlicher Obhut gehaltenen Spix-Aras nicht genau bekannt; die Angaben schwankten zwischen elf und siebzehn Vögeln. Immerhin waren dann zu Beginn des ISB fünfzehn Vögel offiziell darin eingebunden. Vier davon waren Nachzuchttiere, die anderen elf waren miteinander nicht verwandte Wildfänge. In jedem Zucht- und Erhaltungsprogramm sind Wildvögel extrem wichtig.
Nachdem die brasilianische Regierung über die IBAMA im Jahre 1990 eine internationale Amnestie für die Besitzer von Spix-Aras, die dem CPRAA beitraten, erlassen hatte, schloss sich ein weiterer Halter dem Komitee an, wodurch sich die Zahl der Tiere auf achtzehn erhöhte (darunter zwölf Wildvögel). Bisher weiß man von weltweit ungefähr 70 Spix-Aras in menschlicher Obhut, die genauen Zahlen stehen jedoch nicht fest:
. Einige Spix-Ara-Halter traten dem CPRAA nicht bei und gehören nicht zur gegenwärtigen Arbeitsgruppe. Sie sind demnach auch nicht verpflichtet, die aktuelle Zahl ihrer Vögel der Gruppe zu melden. Da außerdem nicht alle Staaten eine Meldepflicht vorsehen, besteht auch keine Möglichkeit, über staatliche Stellen die Anzahl der Spix-Aras in Menschenobhut in Erfahrung zu bringen.
. Die Haltung einiger Vögel wird zwar vermutet, Beweise für diese Gerüchte gibt es jedoch nicht.
Von den ungefähr 70 Vögeln werden derzeit nur neun von der Arbeitsgruppe betreut. Glücklicherweise besitzen diese Vögel mehr als 90 % der ursprünglichen genetischen Variabilität, die bei den Volierenvögeln vorhanden ist. Außerdem gibt es Hoffnungen, dass weitere Halter der Arbeitsgruppe doch noch beitreten und somit den Bestand erhöhen, der unter dem Gesichtspunkt der Arterhaltung gemanagt wird (siehe hierzu auch die Meldung auf Seite 148).
Im Zoo von São Paulo
Wie ich eingangs erwähnte, war der Zweck meiner Reise der Austausch unseres Spix-Aras gegen ein anderes Männchen. Im Hinblick auf den Einsatz im Erhaltungsprogramm konnte sich die Wahl des Vogels, den ich in den Loro Parque mitnehmen würde, natürlich nicht auf eine ausschließlich äußere Untersuchung beschränken. Daher musste ich bei den beiden in Frage kommenden Vögeln (zwei Geschwister, die 1994 geschlüpft waren) eine umfassende Untersuchung vornehmen. So nahm ich eine Reihe von Proben und führte mehrere Tests durch. Meine Untersuchungen ergänzten die, die bereits vom tierärztlichen Dienst des São Paulo Zoo durchgeführt worden waren, und hatten zum Ziel, das Männchen auszuwählen, das am besten für die Verpaarung mit unserem Weibchen geeignet war.
Es erfolgte auch eine endoskopische Beurteilung der beiden Vögel. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich eine Endoskopie bei einem Spix-Ara durchführte, aber sie in Brasilien vorzunehmen und in Anbetracht ihrer Bedeutung - das ließ mich doch ziemlich nervös werden. Zum Glück verliefen die Endoskopien völlig problemlos, und die Entscheidung fiel leicht, welches Männchen für unser Spix-Ara-Weibchen in Frage kam.
In der Zwischenzeit brachte ich auch meine Untersuchung von "Presley" zu Ende - einem Spix-Ara, der mehr als 25 Jahre als zahmes Haustier in den USA gelebt hatte. Dieser Teil meiner Arbeit war hochinteressant, da über den Vogel nicht viel bekannt war. Es freut mich sehr, dass meine Arbeit zur Einschätzung seines Gesundheitszustandes beitragen konnte.
Nun hatte ich meinen Auftrag fast erfüllt: Ich brauchte mir nur noch unter dem Mikroskop die Blutabstriche anzusehen, die ich von den Spix-Aras erstellt hatte, um meine Beurteilung abzuschließen.
Aber die Überraschungen hörten nicht auf: Da die Strattner Company (die die Karl Storz GmbH & Co. KG in Brasilien repräsentiert) die neuesten Endoskope, Videokameras und Monitore zur Verfügung gestellt hatte, wurde ich gebeten, Endoskopien und Untersuchungen an einigen anderen Vögeln des Zoos durchzuführen. Darunter befanden sich Arten, die mir wenig geläufig waren, zum Beispiel Zaunadler (Harpyhaliaetus coronatus), Würgadler (Morphnus guianensis), Weißhalsbussard (Leucopternis lacernulata), Mantelbussard (Leucopternis polionota), Styxeule (Asio stygius), Goldtukan (Baillonius bailloni), Bunttukan (Ramphastos dicolorus) und Arieltukan (Ramphastos vitellinus ariel).
Während meines Aufenthaltes konnte ich alle Bereiche des Zoos besuchen, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, und so wundervolle Tiere wie den Lear-Ara betrachten, den ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Abschließend kann ich sagen, dass mich diese Reise sehr beeindruckt hat. Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit andauert und meine Arbeit im São Paulo Zoo - oder anderswo in Brasilien - wieder gebraucht wird.
Danksagung
Mein besonderer Dank gilt der Strattner & Cia. Ltda. in Brasilien, die mir für meine Arbeit an den Spix-Aras und anderen Vögeln ein komplettes Endoskopie-Set zur Verfügung stellte. Besonders möchte ich mich auch bei Frau Tatiana Ferreira, Herrn José de Jesus Sobrinho und Herrn Roberto Pedrosa für die technische Unterstützung bedanken.
Literatur
Bampi, M. I., & M. Da-Ré (1994): Recovery Programme for the Spix's Macaw
(Cyanopsitta spixii). Conservation in the wild and Reintroduction Programme.
Proc. III. International Parrot Convention, Loro Parque, Teneriffa: 188-194.
de Soye, Y., & Y. de Melo Barros (in Vorber.): Saving the Spix's Macaw
Cyanopsitta spixii - a Captive Management and Species Recovery Handbook.
Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis/Loro Parque Fundación, Brasilien.
Joshua, S. (1994): Cyanopsitta spixii: DNA and Fingerprinting. Proc. III.
International Parrot Convention, Loro Parque, Teneriffa: 79-84.
Juniper, T., & M. Parr (1998): Parrots. Sussex.
Juniper, T. (2002a): The Spix's Macaw recovery program - A review. Proc. V.
International Parrot Convention, Loro Parque, Teneriffa: 101-118.
Juniper, T. (2002b): Spix's Macaw. The Race to save the World's Rarest Bird.
London.
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