Das Spix-Ara-Paar wurde der Loro Parque Fundación von der brasilianischen Regierung zu Zuchtzwecken zur Verfügung gestellt. Seit vielen Jahren kam es aber zu keinem Brutversuch der Tiere. Eine Generaluntersuchung durch die Tierärzte des Parkes brachte die Diagnose ans Tageslicht, die dem Männchen mit 95% iger Wahrscheinlichkeit Unfruchtbarkeit bescheinigten.
Aus diesem Grund reiste der Klinikleiter des Loro Parques Dr. Lorenzo Crosta, Ende November 2003 in den Zoo Sao Paulo nach Brasilien, um dort drei für einen Austausch in Frage kommende Männchen genaustens zu untersuchen. Im Gepäck hatte er das unfruchtbare Männchen aus dem Loro Parque. Vielleicht erlangt das Tier in einer anderen Umgebung seine Fruchtbarkeit zurück. Aufgrund seiner endoskopischen Untersuchungen entschied sich Crosta für ein achtjähriges Spix-Ara-Männchen, das er Anfang Dezember 2003 zurück nach Teneriffa brachte. Das neue Männchen absolvierte die Quarantänezeit und wurde am 8. Januar 2004 mit dem vorhandenen Spix-Ara-Weibchen in einer neuen großen Flugvoliere vergesellschaftet.
Recht schnell fand das Paar zueinander und zeigte bald deutliche Anzeichen von Paarharmonie. Gemeinsam wurden ab Mitte März die unterschiedlichen in der Voliere angebrachten Nistmöglichkeiten intensiv untersucht. Da alle Nistkästen sowie die gesamte Voliere mit Infrarotkameras ausgestattet sind, kann man alle Aktivitäten der Tiere sehr gut aus sicherer Entfernung beobachten, ohne dass dabei das Paar in irgendeiner Weise gestört wird.
Nachdem die Phase der Nestfindung abgeschlossen war, hatte sich das Paar für einen einzigen Nistkasten entschieden und suchte nur noch diesen auf. Etwa drei Wochen lang wurde intensivst das Holzeinstreu der Nisthöhle und die zugegebenen Holzstücke bearbeitet und benagt, bevor es endlich soweit war. Am Dienstag, den 11. Mai zwischen 18 und 19 Uhr wurde das für die Loro Parque Fundación wichtigste Ei des Jahres gelegt. Dies kann man so genau sagen, da die Tiere mittels Nestkamera überwacht werden. Es ist schon sehr bemerkenswert, wie schnell sich das seit 8. Januar diesen Jahres zusammensitzende Paar gefunden hatte. Da es sich bei dem Spix-Ara-Paar um bisher völlig Brut unerfahrene Vögel handelt, wurden die beiden Eier zunächst einem zuverlässigen Zuchtpaar Rotbugaras (Ara severa) anvertraut. Diese bebrüteten das Gelege bestens. Dem Spix-Ara-Paar selbst wurden zunächst zwei andere Eier zur weiteren Brut unterlegt, damit sie noch ein paar Tage brüten konnten. Nach zehn Tagen wurden diese aber entfernt, um eventuell noch einmal ein Nachgelege zu erhalten, das dann den Tieren selbst vorbehalten bleiben wird.
Insgesamt hatte das Spix-Ara-Weibchen zwei Eier gelegt, von denen sich das zweite als befruchtet herausstellte. Das erste Ei war leider unbefruchtet. Mit großer Spannung wurde vom gesamten Team der Loro-Parque-Fundación der Schlupftermin erwartet. Am 9. Juni war es endlich soweit. Bei einer Nestkontrolle wurde das frisch geschlüpfte Spix-Ara-Küken im Nest der Ersatzeltern entdeckt. Es wog 12,5 g und sah perfekt aus. Täglich wurde das Nest einmal morgens kontrolliert und am vierten Tag das Küken aus Sicherheitsgründen zur Handaufzucht entnommen. Das Küken war zwar gefüttert, aber es wurde nicht mehr ausreichend gehudert. Es war unterkühlt. Am vierten Tag wog es 15,4 g. In der Handaufzucht gedeiht der junge Spix-Ara nun prächtig und wiegt am 13. Lebenstag nun schon 64 g. Die Stimme, die der kleine Vogel bei der Fütterung als Bettellaut ertönen lässt, wird immer kräftiger und die Zeichen stehen für eine problemlose Entwicklung sehr gut. In den nächsten Tagen wird dem kleinen Spix-Ara ein Küken der Rotrückenaras (Ara maracana), einer anderen kleinen Ara-Art zugesellt werden, um das Risiko einer Fehlprägung auf den Menschen auszuschließen.
Dieser sich anbahnende erste Zuchterfolg seit vielen Jahren im offiziellen Zuchtprogramm, ist ein sehr wichtiger Schritt zur Erhaltung dieser in der Natur ausgestorbenen Papageienart, mit dem möglichen Ziel, sie in der Zukunft in ihrem ursprünglichen Habitat wieder auswildern zu können. Nur neun adulte Spix-Aras werden derzeit in den Zoos der Welt gehalten. Davon ein Paar im Loro Parque auf Teneriffa und sieben weitere Tiere im Zoo Sao Paulo in Brasilien. Im Moment ist das „Loro-Parque-Paar" das einzig züchtende Paar im Erhaltungszuchtprogramm. Bleibt zu hoffen, dass sich weitere Zuchterfolge anschließen werden.
Dipl.- Biologe Matthias Reinschmidt, Curator, Loro Parque, Teneriffa
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