Diese Fahrt in die Gegend von Curaçá, wo wir im Vorjahr die letzten drei verbleibenden Vögel einer ehemals guten Population des Spixaras beobachten konnten, unternahmen wir vor allem, um die aktuelle Situation zu überprüfen, und um den Einheimischen,die wir für eine Überwachung eingesetzt hatten, das von der Zoologischen Gesellschaft für Arten-und Populationsschutz, München,zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellte Geld zu überbringen.
2. Programm
Am 28./ 29. April reisten wir von São Luis, MA, aus über Teresina und Picos, PI, Petrolina,PE und Juazeiro, BA, nach Curaçá.
Vom 30. April bis zum 7.Mai machten wir Beobachtungen in der Gegend der Fazenda Riacho Pau de Colher in Curaçá, saßen an den von den Spixaras am häufigsten benutzten Sitzbäumen mehrere Male an und führten Gespräche mit den Einheimischen.
Für die Rückreise nach São Luis brauchten wir fast drei Tage, nämlich von 8. bis zum 10. Mai.
3. Resultate
a) Überwachung:
Seit Mai 1987 wurden auf beiden Seiten der „Kernzone“ an der Strasse Beobachter eingesetzt, so dass per Auto ein unbeobachtes Eindringen in das Gebiet unmöglich war. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wurden wir telefonisch über den Verbleib der drei Vögel informiert. Anfangs Dezember 1986 erhielten wir einen Anruf, dass ein Fänger mit einem Lockvogel sich in der Gegend aufhalte, und wir alarmierten sofort den IBDF in Brasilia. Leider war durch den komplizerten Informationsweg wertvolle Zeit verloren gegangen, so dass es nicht mehr möglich war, den Fänger, samt Lockvogel, auf frischer Tat zu ertappen; er wurde jedoch später (März 1987) in seinem Hause in Petrolina mit einer ganzen Sammlung illegaler Tiere gestellt und vorübergehend in Gewahrsam genommen.
Die Kunde von diesen Ereignissen drang anscheinend auch in weiter entfernte Gegenden und hielt weitere mögliche Fänger ab. So hörten wir in der Region von Corrente, PI, von einem Fänger, dass er von den Bewachungsmaßnahmen gewußt hatte, und deshalb dieses Jahr nicht einmal versucht hatte,in die Gegend von Curaçá zu kommen.
b) Informationen zum vergangenen Jahr:
Nach unseren Beobachtungen im Mai 1986 hielten sich die Vögel fast ununterbrochen in der Gegend auf und benützten häufig die üblichen, bevorzugten Craibeiras als Sitzbäume. Ab Anfangs Dezember 1986, nachdem sich obenerwähnter Fänger mit Lockvogel in der Gegend aufgehalten hatte, blieben die Vögel unauffindbar, und wir befürchteten bereits, dass es diesem Fänger eventuell trotz aller unserer Maßnahmen gelungen sei, die letzen drei Spixaras dieser Region zu fangen.
Erst nach in diesem Jahr stark verspäteten Regenfällen, die am 10. März fielen, stellten sich die drei Aras plötzlich wieder ein; sie schienen jedoch, wahrscheinlich wegen dieser 2-3-monatigen Verspätung des Regens, keinen Brutversuch zu unternehmen. Bis kurz vor unserer Ankunft Ende April dieses Jahres wurden wieder stets drei Vögel gesichtet.
c) Unsere Beobachtungen im April und Mai 1987:
Nach mehrmaligen vergeblichen Ansitzen an den von den Spixaras am regelmässigsten benutzten Sitzbäumen sahen wir am 4. Mai zwei Spixaras, nach Größen-und Proportionsunterschied zu urteilen, ein Paar. Auch bei weiteren Beobachtungen waren es jeweils nur zwei Vögel. Nach Aussagen der Einheimischen kommt es ab und zu vor, dass ein Vogel sich für einige Zeit von den anderen beiden trennt und später wieder zurückkehrt. Doch scheint diesmal der dritte Vogel bis heute nicht mehr aufgetaucht zu sein, da unsere letzten Informationen noch immer von nur zwei Vögeln sprechen (Anfangs Juli).
4. Zukunftsaussichten
Durch das Ausbleiben der Brüttätigkeit in diesem Jahr und durch das Fehlen eines der drei Vögel in jüngste Zeit sind die Überlebenschancen dieser Restpopulation derart beeinträchtigt, dass sie kaum mehr als reell beurteilt werden können. Die einzige Hoffnung wäre, dass es gelingt, wenigstens die beiden Vögel durchzubringen, bis weitere Tiere aus Gefangenschaftzucht ausgesetzt werden könnten. Da jedoch die Bemühungen für ein koordiniertes Zuchtprogramm im Ausland erst anlaufen und in Brasilien selbst beinahe aussichtslos sind, erscheinen auch solche Hoffnungen kaum berechtigt.
Die Tatsache, dass in der ersten Hälfte dieses Jahres mehrere Vögel auf dem Markte erschienen, und dass weitere Vögel angeboten werden (z.B weitere Jungvögel für den kommenden Februar), geben uns die Sicherheit,dass mindestens eine weitere Population von Spixaras existieren muß, die jedoch bereits dem gleichen Schicksal entgegensteuert, das der Curaçá zuteil wurde. Wir befinden uns also in einem Wettlauf mit der Zeit, wenn wir die Art im Freiland retten wollen. Dass dabei für ein einjähriges Projekt, inklusive Anschaffung eines geländetüchtigen Fahrzeuges,weniger Geld zur Verfügung steht, als für ein einziges Paar Spixaras bereits vom brasilianischen Händler gefordert wird,und als für einen einzigen Vogel im Ausland bezahlt wird,macht deutlich, dass die Chancen für einen erfolgreichen Ausgang es Projektes, d.h. für einen effektiven Schutz dieser Vögel, als äußerst gering eingeschätzt werden müssen. Solange Vogelhalter in der ganzen Welt bereit und in der Lage sind, praktisch jeden beliebigen Preis für solche „Raritäten“ zu zahlen, werden sich Fänger finden, die jegliches Risiko auf sich nehmen, um auch die letzten Vögel einer Art auf den Markt zu bringen. Dabei ist sicher die Einstellung des Käufers verdammenswerter, da er die Gesamtsituation klarer sieht und besser beurteilen kann als der Fänger, der oft lediglich versucht, auf irgendeine Weise seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Jedoch bestehen auch kaum Aussichten, dise Einstellung des Käufers wesentlich zu ändern, da er nicht bereit sein wird, auf seine Prestige-Objekte zu verzichten...............leider!
5. Abrechnung US$
a) Bezahung der Wächter:
3 Leute für die Periode vom Dezember 1986
bis März/April 1987 400
b) Reisekosten
São Luis – Curaçá – São Luis
ca. 3000 km á $ 0.25/km 750
c) Unterhalt
10 Tage für 2 Personen á $20/Tag 200
d) Spesen
Filme, Telefon, Porto etc. 100
Ausgaben total 1450
US$
Von der Zoologischen Gesellschaft erhalten 965
Den Negativsaldo von US$ 485 werde ich aus dem ICBP-Budget für 1987 bestreiten.
Paul Roth
Depto. de Biologia – UFMA
Largo dos Amores, 21
65,000 São Luis – MA
Brasil.
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( If you drive out nature with a pitchfork, she will soon find a way back)
Horace (65-8 BC)

